FDP will in Deutschland Erdgas fördern – eine Kriegserklärung an die Erneuerbaren Energien?

FDP will in Deutschland Erdgas fördern – eine Kriegserklärung an die Erneuerbaren Energien?

Diese Woche jagten Meldungen durch deutsche Medien, laut denen FDP-Chef Lindner zum einen den Kohleausstieg von 2030 auf einen späteren Zeitpunkt verschieben will und zweitens bei der Energieversorgung mehr auf in Deutschland gefördertes Erdgas setzen möchte. Klingt wie eine Rolle rückwärts für die Erneuerbaren Energien – und besitzt Deutschland überhaupt nennenswerte Erdgasvorkommen?

Kohleausstieg verschieben

Das mag seine Meinung sein, aber bitte mit Abstimmung der anderen Parteien. Menschen wollen von der Politik Lösungen, kein Durcheinandergeplapper wie auf einem Kindergeburtstag. 2021 hatte Kohlestrom einen Anteil von 30,2 % an der Stromeinspeisung ins deutsche Netz. 2022 waren es 33,3 %. Ein Anstieg um 3,1 %. Erneuerbare Energien hatten 2021 einen Anteil von 42,3 %. 2022 waren es 46,3 % – also 4 % mehr als 2021.

Es sollte möglich sein, mit der geballten Expertise deutscher Ingenieurskunst einen realistischen Ausbaupfad für maximale Eigenerzeugung mit regenerativen Energien festzuschreiben, das Ganze so zu gestalten, dass es bezahlbar bleibt und dafür realistische Zeiträume für die Umsetzung zu nennen. Das ist möglich mit einer Mischung aus

  • Ausbau der Erneuerbaren,
  • Ertüchtigung der Netze,
  • Ertüchtigung von Verbrauchern,

Es entsteht der Eindruck, dass die Ampelregierung keinen Plan hat, wie sie die deutsche Energieversorgung nach 2030 garantieren will. Offensichtlich sprechen die Parteien auch nicht. Warum haut ein Herr Lindner ansonsten solche Parolen raus: mehr Kohle und deutsches Erdgas? Letzteres ist totaler Quatsch. Deutschland fehlen einfach die Erdgasressourcen.

Erdgas aus Deutschland für 6 Monate

Das Erdgas-Aus-Deutschland-Argument taucht immer mal wieder auf der politischen Bühne auf, meistens in Verbindung mit Fracking, hat aber in der Vergangenheit noch nie zur Umsetzung geführt, weil das Gas zu teuer wäre.

Kurzer Fakten-Check zu Erdgas in Deutschland:

  • 2022 wurden rund 4,8 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert.
  • Die sicheren und wahrscheinlichen Erdgasreserven in Deutschland schätzt der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V. (BVEG) auf ca. 36 Milliarden Kubikmeter. Stand 31.12.2022.
  • Mit hoch entwickelten Fördertechnologien könnten laut BVEG weitere Ressourcen erschlossen werden. Konkret 450 Milliarden Kubikmeter technisch erschließbares Erdgas aus Kohleflözen und bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter technisch erschließbares Erdgas aus Schiefergesteinen.
  • Laut Angaben des Umweltbundesamt sind die deutschen Erdgasvorkommen in Deutschland bei 123 Milliarden Kubikmeter, plus zusätzlicher sogenannter „nicht konventioneller Lagerstätten wie: Tight Gas: 100 Mrd. m³ // Kohleflözgas: 450 Mrd. m³ // Schiefergas: 1.300 Mrd. m³. Allerdings sind diese Lagerstätten bisher wirtschaftlich nicht zu erschließen. Ein weiteres Argument gegen die Erschlißung sind Umweltbelastungen.
  • Der deutsche Erdgas-Jahresverbrauch lag 2022 bei 77 Milliarden Kubikmeter – 2021 waren es 92 Milliarden Kubikmeter. Im Durchschnitt sind es rund 80 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.
  • Mit deutschen Reserven können deutsche Verbraucher demnach 6 Monate mit heimisch gefördertem Erdgas aus Förderstätten versorgt werden, die leicht zugänglich sind. Dazu müssen aber alle möglichen und wahrscheinlichen Reserven ausgebeutet werden, wozu allerdings die Infrastruktur erst aufgebaut werden muss.
  • Mit den „Nicht-konventionellen Lagerstätten“ steigen die Erdgasreserven auf knapp 1900 Milliarden Kubikmeter an. Damit könnte Deutschland rund 23 Jahre mit Erdgas versorgt werden. Die Frage ist: Zu welchem Preis? Diese Ressourcen werden nicht angetastet, weil es angeblich nicht wirtschaftlich ist. Es ist sicher auch aus Umweltgründen ein Problem, denn Gas aus Schiefer wird mit Fracking gewonnen. Fracking ist die Kurzform für „Hydraulic fracturing“. Ein Vorgang bei dem Risse im Gestein mit Flüssigkeit und hohen Drücken erzeugt oder vorhandene erweitert werden.

Deutschland importiert mehr Erdgas as China und ist weltweit der größte Importeur von Erdgas. Steuern und Abgaben auf Erdgas belaufen sich auf drei bis fünf Milliarden Euro im Jahr. Wir sprechen also einerseits von einer großen Abhängigkeit Deutschland von externer Energie, andererseits von hohen Einnahmen für den Staat und die liefernden Unternehmen. Wrr hätte da Interesse an erneuerbaren Energien die unabhängig machen?

Mehr Ressourcen in Erneuerbare für nachhaltige Autarkie?

Ich bin erstaunt, über Herr Lindners Ansatz: Deutsches Erdgas ist ein Mikro-Tropfen auf einem weiß glühenden Stein. Mit Verlaub – was soll der Quatsch. Die gesamte Jahresförderleistung deckt sechs Prozent des deutschen Bedarfs. Wenn keine neuen Erdgasvorkommen entdeckt werden, reichen die gesamten Landesressourcen für 7,5 Jahre – bei Doppelung der Förderung für gute drei Jahre. Das ist keine Lösung, das ist Augenwischerei. Die Ressourcen, die in den Ausbau einer deutschen Erdgasförderung im eigenen Land gehen können ebensogut in die Erneuerbaren Energien, intelligente Netze und eine dezentrale Versorgung investiert werden.

FDP und Erneuerbare Energien.

Politische Arbeit muss handwerklich gut gemacht sein, fachlich kompetent, mit Weitblick und zum Wohl des Landes und der Bevölkerung. Genau das sehe ich bei der Ausbeutung deutscher Gasvorkommen nicht: unwirtschaftlich, ressourcenzehrend, umweltbelastend.

FDP-Wirtschaftsminister Rößler hat das Ende der deutschen Photovoltaik-Industrie verursacht – das Ende einer zukunftsweisenden Branche, in der Deutschland Weltmarktführer war. Geopfert 2011 bis 2013 für kleinteilige Partikularinteressen.

Jetzt soll Erdgas aus deutschen Lagerstädten kommen, deren einfach zu hebenden Vorkommen den Landesbedarf ein gutes halbes Jahr decken könnte, wäre die Infrastruktur vorhanden und alle Lagerstätten bereits erschlossen. Das Gefühl, dass Politik selten Intelligentes, praktisch nie Nachhaltiges liefert, verfestigt sich. Ich erwarte von Politik aber genau das: nachhaltige Lösungen, gerne auch intelligente, die über die nächste Legislaturperiode hinaus positiv wirken.

Manfred Gorgus

Beitragsfoto: Gaszähler, Deutschland, Bayern ©SOLAR-professionell/M.Gorgus

Kostenloser Ratgeber mit hunderten von Tipps für solaren Eigenstrom

Kostenloser Ratgeber mit hunderten von Tipps für solaren Eigenstrom

Digitaler Ratgeber mit Tipps für Photovoltaik & Autarkie im privaten und kommerziellen Bereich.

Leser erhalten auf 187 Seiten aktuelle Informationen zur Technik, aber auch über finanzielle Förderung und deren Anlaufstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es wird erklärt, welche Rechte und Pflichten mit dem Betrieb von Solaranlagen verbunden sind. Das neue EEG 2023 und steuerliche Vereinfachungen für Anlagen bis 30 Kilowatt wurden berücksichtigt.

Zur Downloadseite: https://www.photovoltaik.eu/foerderung/ratgeber-2023-200-tipps-fuer-solaren-eigenstrom

Neues Werk für Batteriekomponenten in Polen

Neues Werk für Batteriekomponenten in Polen

Neuer Standort Batteriefabrik in NYSA Polen ©VW

Das von der Volkswagen Tochter PowerCo und Umicore gegründete Joint Venture IONWAY mit Sitz in Brüssel baut im polnischen Süden in der Ortschaft Nyce einen neuen Standort zur Herstellung von Batteriekomponenten. In der neuen Produktionsstätte sollen 900 Menschen Kathoden-Aktivmaterialien für Elektrofahrzeuge herstellen. Diese Komponente gehört zu den wertvollsten Bestandteilen einer Traktionsbatterie.

Der Standort wird nach Aussage der Betreiberfirma mit erneuerbarer Energie betrieben, um eine CO₂-neutrale Produktion sicherzustellen.  Die polnische Regierung unterstützt die Investition in Nysa mit 350 Millionen Euro. Insgesamt sollen in den kommenden zehn Jahren in den Standort  1,7 Milliarden Euro investiert werde, teilt Volkswagen mit.

Die Standortentscheidung für Nysa wurde einmal aufgrund einer bereits bestehenden Kathoden-Produktionsstätte von UNICORE getroffen. UNICORE ist ein führendes Materialtechnologieunternehmen, von dessen Know-how die neue Produktionsstätte profitieren soll. Der zweite Grund ist der gute Zugang zu erneuerbaren Energie, der eine CO2-neutrale Herstellung garantiert. Nach dem Produktionsstart werden vom Standort mehrere europäische Batteriezell-Gigafabriken von PowerCo mit Hochleistungs-Kathoden sowie Vormaterialien zur Batterieherstellung beliefert.

Der Volkswagen Konzern bündelt in der europäischen Gesellschaft PowerCo SE weltweite Batterieaktivitäten. Von Salzgitter aus steuert das Unternehmen den internationalen Fabrikbetrieb, die Weiterentwicklung der Zelltechnologie und die vertikale Integration seiner Wertschöpfungskette. Seit der Gründung im Juli 2022 hat PowerCo bereits drei Gigafactory-Standorte beschlossen: Salzgitter in Deutschland, Valencia in Spanien und St. Thomas in Kanada. Das Unternehmen plant den Bau von Zellfabriken mit einer Gesamtkapazität von 240 GWh im Jahr 2030.

Das Unternehmen Umicore konzentriert sich als führendes Materialtechnologieunternehmen auf Anwendungsbereiche, in denen Fachwissen in Materialwissenschaft, Chemie und Metallurgie entscheidend ist. Die Aktivitäten des Unternehmens sind in drei Geschäftsbereichen organisiert: Katalyse, Energie- & Oberflächentechnologien und Recycling. Die Gruppe konnte im Jahr 2022 einen Umsatz von 25,4 Milliarden Euro erzielen und beschäftigt derzeit über 11.000 Menschen.

Manfred Gorgus

Deutscher Verband für Agri-PV gegründet

Deutscher Verband für Agri-PV gegründet

©Next2Sun

Bessere Rahmenbedingungen und eine genaue Abgrenzung der Agri-PV zur klassischen Photovoltaik, das sind die erklärten Ziele des neu gegründeten „Verband für nachhaltige Agri-PV“ – kurz „VnAP“.

Der auf Initiative von Unternehmen, Landwirten und einer Hochschule neu gegründete Verband für nachhaltige Agri-PV – kurz VnAP – hat es sich zum Ziel gesetzt die Rahmenbedingungen für Agri-Photovoltaik zu verbessern. Aktuell sei die Trennung zwischen herkömmlicher Photovoltaik und Agri-PV im landwirtschaftlichen Bereich nicht ausreichend. Die Landwirtschaft müsse auch bei der Doppelnutzung von Flächen zur Energieerzeugung einerseits und der klassischen landwirtschaftlichen Nutzung andererseits im Vordergrund stehen. Das teilt der Verband in seiner Pressemeldung vom 11. Oktober mit.

Es geht um Interessenvertretung, aber auch um Aufklärung in der Bevölkerung. Agri-PV hat einen wesentlich geringeren Flächenverbrauch als eine klassische PV-Freiflächenanlage. Experten sprechen von unter 5 Prozent der Fläche, die bei einer Agri-PV für die Aufständerung verbraucht wird. Im Vergleich dazu sind Flächen, die von einer Freiflächen-Photovoltaik besetzt werden, für die landwirtschaftliche Nutzung praktisch verloren. Agri-PV wirkt somit aktiv der Teller-PV-Diskussin entgegen.Die Gründungsmitglieder des Verbandes sind neben Herstellern von AGRI-PV-Komponenten, Landwirte, die bereits AGRI-PV-Systeme betreiben, eine Hochschule sowie ein Investmenunternehmen für nachhaltige Geldanlagen. Im Einzelnen sind es:

• Rainer Hall: Der Landwirt bewirtschaftet bei Donaueschingen-Aasen die größte vertikale bifaciale Agri-PV-Anlage in Europa. 2020 wurde der Solarpark, der mit einer Leistung von 4,1 MWp zur Versorgung von 1400 Haushalten beiträgt, in Betrieb genommen.

• Hubert Bernhard: Er bewirtschaftet am Bodensee die erste Agri-PV-Anlage über Obstbäumen in Europa. Die hoch aufgeständerte Anlage wird durch ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme und der baden-württembergischen Landesministerien für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz begleitet.

• Hans Joachim Mautschke. Der Agrar-Ingenieur ist Eigentümer des Guts Krauscha in Sachsen und seit 2020 an der Planung einer Agri-PV-Anlage auf insgesamt 70 ha Fläche maßgeblich mitbeteiligt. Die Flächen werden weiterhin ökologisch mit dem Schwerpunkt der Saatgutvermehrung bewirtschaftet werden.

• Hochschule Anhalt: Die Hochschule Anhalt (HSA) ist eine der forschungsstärksten Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalts. Sie hat sich zu einem bedeutenden wissenschaftlichen Zentrum in der Region Anhalt entwickelt und treibt Innovationen voran. Zahlreiche Projekte werden gemeinsam mit Industriepartnern realisiert, darunter z.B. das interdisziplinäre BIODIV-SOLAR Projekt, in welchem Strategien für nachhaltige Landnutzung mit Praxispartner erarbeitet werden. Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung Biodiversität fördernder und ökonomisch tragbarer Gesamtkonzepte für Solaranlagen, die auch neue landwirtschaftliche Wertschöpfungsmodelle, wie AgriPVplus-Anlagen, integrieren.

• Next2Sun: Die Next2Sun ist nach eigenen Angaben Erfinder, Innovations- und Technologieführer bei vertikaler bifacialer Photovoltaik. Das Unterenehmen hat auf Basis der vertikalen bifacialen Anlagentechnologie und des dafür entwickelten, patentierten Montage-Systems eine breite Produktpalette entwickelt und zur Marktreife gebracht. Bekannt ist insbesondere das vertikale bifaciale Agri-PV System.

• REM Tec: REM Tec ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich der Agri-Photovoltaik. Die von REM Tec patentierten Agrovoltaico® Technologien beinhalten feste Systeme sowie nachgeführte Solarsysteme. Die ersten Agri-PV Anlagen von REM TEC sind bereits seit 2011 auf 45 ha in Nord-Italien in Betrieb.
Im Jahr 2021 war REM Tec bereits an der Gründung des französischen Verbands „France Agrivoltaïsme“ beteiligt. Darüber hinaus engagiert sich REM Tec als Gründungsmitglied bei der „Associazione Italiana Agrivoltaico Sostenibile“ (Italienischer Verband für nachhaltige Agri-Photovoltaik).

• Elysium Solar: Elysium Solar entwickelt subventionsfreie Solarvorhaben einer neuen Generation mit echter landwirtschaftlicher Mehrfachnutzung auf mind. 90 % der Standortflächen (Agri-PV). Gleichzeit fördern diese Agri-PV-Projekte die Biodiversität und bieten ein umfangreiches Programm für regionale Teilhabe in den Gemeinden. Zudem werden alle Projekte von namhaften Verbundpartnern wissenschaftlich begleitet. So gestaltet Elysium Solar die Agrar- und Energiewende mit Akzeptanz.

• CAV Partners: Clean Asset & Values (CAV) strukturiert und verwaltet nachhaltige Kapitalanlagen wie individuelle Fonds- und Spezial-Mandatlösungen. Seit 2021 realisiert CAV auch eigene PV-Projekte in Deutschland und Italien. Dabei setzt CAV bewusst auf Agri-PV-Anlagen in Deutschland und hat bereits ein erstes Projekt in der Finanzierung.

Kontakt:
Verband für nachhaltige Agri-PV (VnAP)
Luckenwalder Str. 6b
10963 Berlin

info@vnap.org

BayWa r.e. Montageabteilung wird Solar Solutions GmbH

2016 gegründet, war das Unternehmen bis zur eigenständigen GmbH Partnervertrieb der BayWa r.e. Das Unternehmen plant und realisiert mit aktuell 110 Mitarbeitern und 15 Montageteams als Generalunternehmer schlüsselfertige PV-Anlagen für B2B-Kunden. Kunden wird entlang der Photovoltaik-Anlagen-Entwicklung die gesamte Wertschöpfungskette mit sämtlichen Leistungen aus einer Hand angeboten. Die Leitung der neuen BayWa r.e. Solar Solutions GmbH liegt in Händen von Christian Münch, der bereits seit 2016 die Geschicke des Unternehmens als Geschäftsführer leitet.

Klaus Thaler

Geringes Interesse bei Ausschreibungen Windkraft an Land

Geringes Interesse bei Ausschreibungen Windkraft an Land

Windpark Rheinland-Pfalz ©M.Gorgus/SOLAR-professionell

Die Bundesnetzagentur am 08. September 2023 die Ausschreibung für Windenergie an Land veröffentlicht und in einer Pressemeldung informiert, dass zum Gebotstermin 1. August 2023 die ausgeschriebene Leistung erneut unterzeichnet war. Die Bundesnetzagentur hatte im Vorfeld das Ausschreibungsvolumen von 3.192 Megawatt auf 1.667 MW reduziert. Offenbar ist die Attraktivität des Standortes Deutschland für Windkraftanlagen nicht groß.

Bei der Bundesnetzagentur wurden 142 Gebote mit insgesamt 1.436 MW eingereicht. Ein Gebot wurde wegen eines Formfehlers vom Verfahren ausgeschlossen. 141 eingereichte Gebote erhielten einen Zuschlag mit insgesamt 1.433 MW. In der Summe liegt die Zuschlagsmenge im Jahr 2023 nach drei von vier Ausschreibungsrunden bei rund 4.400 MW. Im Jahr2022 erhielten nur rund 3.200 MW Windenergie an Land einen Zuschlag. Das sind aktuell zwar 35 Prozent mehr als im Gesamtjahr 2022 – die Ausbauziele werden mit reduzierten Mengen allerdings nicht erreicht.

Die Werte der bezuschlagten Gebote liegen zwischen 6,00 ct/kWh und 7,35 ct/kWh und mit 7,32 ct/kWh im Durchschnitt nur ganz knapp unter dem Höchstwert von7,35 ct/kWh.

Bemerkenswert ist die regionale Verteilung der Zuschlagsmengen: Die beiden größten entfielen auf Gebote für Standorte in Nordrhein-Westfalen – 51 Zuschläge mit insgesamt 457 MW – und Niedersachsen – 31 Zuschlägen mit insgesamt 343 MW. Es folgen Schleswig-Holstein mit 25 Zuschläge zu 259 MW und Baden-Württemberg mit 5 Zuschläge zu insgesamt 88 MW.

Eventuell helfen die im Rahmen des Solarpakets 1 angekündigten Änderungen zur Beschleunigung und Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für Windenergie an Land die Attraktivität des Standortes Deutschland beim Thema Windenergie an Land in Zukunft zu verbessern.

M.Gorgus

Bayern mit neuem Förderprogramm für Wasserstofftankstellen

Bayern mit neuem Förderprogramm für Wasserstofftankstellen

Wasserstoff-Tankstelle Flughafen Köln-Bonn, Juni 2018 ©Sybille Riepe

Bayern hat sein Förderprogramm für Wasserstofftankstellen überarbeitet. Heute, am 07. September 2023, soll es in Kraft treten. Die entsprechende Website ist online – aber noch mit dem alten Förderprogramm. Das sollte sich am 07.09. ändern.
Wasserstoffautos werden nur gekauft, wenn die Versorgung mit Kraftstoff vorhanden ist
„Mit unserem Förderprogramm lösen wir das Henne-Ei-Problem beim Wasserstoff: Wenn es vor Ort die entsprechenden Tankstellen gibt, werden auch Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb gekauft“, erklärt Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger. 19 Förderbescheide für Tankstellen sollen bisher in ganz Bayern ausgestellt worden sein. Noch diesen Monat sollen eine Tankstelle in Hofolding und eine in Passau eröffnet werden. In ganz Deutschland gibt es knapp 100 Wasserstofftankstellen. Eine sehr spärliche Versorgung im Vergleich zu den 14107 Straßentankstellen, die deutsche Automobilisten versorgen, Autobahntankstellen und reine Biodiesel- sowie Erdgastankstellen nicht mitgerechnet.
Fast 89.000 öffentliche Ladepunkte für E-Autos
Die Elektromobilität ist wesentlich weiter. Am 1. April 2023 waren insgesamt 88.716 Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Betrieb, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur abgeschlossen hatten. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs von 23.329 Ladepunkten. Die meisten Ladepunkte finden E-Mobilisten in Bayern.
Tankstellen-Förderung, vor allem für Nutzfahrzeuge
Öffentlichen Tankstellen für Nutzfahrzeuge und Busse werden mit bis zu 90 Prozent und betriebsinterne Tankstellen für mit 40 Prozent unterstützt. Das Programm startete bereits im Oktober 2020 und wurde frisch überarbeitet. Der erste Förderaufruf im Rahmen der neuen Richtlinie startet am 18. September und dauert bis zum 13. November 2023. Allen Interessenten wird vom Wirtschaftsministerium empfohlen, sich zeitnah mit dem Projektträger bei der Bayern Innovativ GmbH abzustimmen. Informationen und Ansprechpartner finden Interessierte auf der Website: https://www.bayern-innovativ.de/de/beratung/ptb/seite/foerderprogramm-zum-aufbau-einer-wasserstofftankstelleninfrastruktur-in-bayern Manfred Gorgus
„Freie Wähler“ & erneuerbaren Energien

„Freie Wähler“ & erneuerbaren Energien

Die Partei Freie Wähler wird als „liberal“ und „wertkonservativ“ bezeichnet.  Das scheint kein Wiederspruch zu erneuerbaren Energien, denn in ihrem Grundsatzprogramm bekennt sich die Partei für Klimaschutz und einen schnellen Ausbau der Erneuerbare Energien.

 

Zur Partei „Freie Wähler“:

Laut einer aktuellen Umfrage soll die Partei „Freie Wähler“ nach der Flugblattaffäre des Hubert Aiwanger zwei Prozent mehr Zustimmung erhalten. Die Partei „Freie Wähler“ ist seit 2008 im Bayerischen Landtag und seit 2021 im Landtag Rheinland-Pfalz vertreten. 2010 wurde im Februar die Bundesvereinigung gegründet. Ihre Ausrichtung gilt als gleichzeitig „liberal“ und „wertkonservativ“. Seit 2018 sind die Freien Wähler in Bayern an der Staatsregierung beteiligt und stellen mit Hubert Aiwanger den Wirtschaftsminister und den stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten sowie mit Thorsten Glauber den Umweltminister. Seit 2014 ist die Partei im Europäischen Parlament vertreten.

„Freie Whler“, erneuerbare Energien und Klimaschutz:

„Freie Wähler“ sehen Erneuerbare Energien und Klimaschutz als Chance für regionale Entwicklung und als Jobmotor. Das ist ein großer Unterschied zur AfD, die die Energiewende als Ganzes ablehnt und den Klimawandel leugnet. Dabei soll die Energiewende nach Aussage der „Freie Wähler“ für eine wirtschaftliche und sichere Versorgung der Bevölkerung sorgen. Der Begriff „wirtschaftlich“ ist entscheidend. Aktuell scheint Wirtschaftlichkeit keine Rolle zu spielen. Es wird im Grundsatzprogramm unter Punkt „Energie – (1)“ sogar explizit von „Zeiten knapper Kassen“ gesprochen, in denen erneuerbare Energien als Lösung vorgeschlagen werden – nicht als Problem. Das deckt sich mit Erfahrungen in sogenannten „benachteiligten Regionen“ in Deutschland, die durch Investition in Erneuerbare Energien, Ladeinfrastruktur, öffentlichen Nahverkehr und soziale Einrichtungen Wegzug in Zuzug wandeln konnten, weil sie Lebensqualität und Perspektive bieten. Im Programm heist es unter Energie im letzten Absatz (6), dass der Um- und Ausbau des Energiesystem, die Versorgung mit Energie sowie die Stromtrassen im Bürgerinteresse zu gestalten sind.

Den Auszug aus dem dem Parteiprogramm finden sie im Folgenden. Das ganze Grundsatzrogramm finden Sie Hier als pdf.

 

Auszug aus dem Grundsatzprogramm „Freie Wähler“, Gründsätzliches zu Energie, Umwelt- und Verbraucherschutz:

Energie, Umwelt- und Verbraucherschutz
Aktive Umweltpolitik schützt Mensch und Tier. Dazu gehören für uns FREIEN WÄHLER Aspekte des Klimaschutzes, eine zuverlässige, saubere und umweltfreundliche Energieversorgung sowie saubere und gesunde Lebensmittel.

1. Energie
Energieversorgung und Klimaschutz sind für uns FREIEN WÄHLER zentrale Zukunftsaufgaben für unsere Gesellschaft. Eine regionale, effiziente und für alle bezahlbare Versorgung durch erneuerbare Energien sowie nachhaltige Klimaschutzmaßnahmen sind uns FREIEN WÄHLERN ein besonderes Anliegen.

(1) Gerade in Zeiten knapper Kassen und finanzieller Unterversorgung vieler Gemeinden sehen die FREIEN WÄHLER die erneuerbaren Energien als nachhaltigen Entwicklungsbeschleuniger und Jobmotor der Zukunft. Ziel ist, nach und nach durch Energieeinsparung, Energieeffizienz und den Einsatz erneuerbarer Energien einen Großteil des gesamten Strombedarfs zu decken. Langfristig sind auch Wärme und Verkehr durch erneuerbare Energien sowie Maßnahmen zur Energieeffizienz und -einsparung abzudecken.

(2) Wir FREIEN WÄHLER fordern, insbesondere die Forschung und Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien und in den Energiespeichertechnologien ambitioniert zu unterstützen. Nur wer von Energieimporten und damit steigenden Preisen unabhängig ist, kann sich der regionalen Versorgungssicherheit und Preisstabilität sicher sein.

(3) Eine lokale Wertschöpfung durch Installation, Betrieb und Wartung regenerativer Kraftwerke garantiert dem Bürger, dem Handwerk, der Landwirtschaft und letztlich den Kommunen zusätzliche Einnahmen durch Beschäftigung bzw. Steuern. Wir FREIEN WÄHLER wollen entsprechende Rahmenbedingungen schaffen und langfristig Planungssicherheit gewährleisten. Genossenschaftsmodelle in der Energieerzeugung wollen wir zum Wohle der Bürger stärken.

(4) Wir FREIEN WÄHLER halten am Atomausstieg fest. Für die Altlast an Atommüll fordern wir, eine Lagerstätte mit höchsten Sicherheitsstandards und rückholbarer Einlagerung zu finden und einzurichten. Dabei sind die Produzenten von Atommüll finanziell in die Pflicht zu nehmen. Damit auch zukünftige Generationen vor radioaktiven Gefahren geschützt werden, ist der Wissenstransfer über die Sicherheitsanforderungen zu gewährleisten.

(5) Wir FREIEN WÄHLER wollen Maßnahmen wie Investitionsförderung oder Anreizprogramme, z.B. zur Gebäudesanierung fördern, um den Energieverbrauch zu senken. Zur Koordinierung all dieser Aufgaben ist ein Bundesenergieministerium einzurichten.

(6) Energieversorgung ist nach unserem Verständnis eine zentrale und wichtige Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge. Auch der Umbau, der Ausbau und die Versorgung mit Energie sowie die Stromtrassen sind im Bürgerinteresse zu gestalten. Modelle zur Bürgerbeteiligung in Kooperation mit Stadtwerken sind auszuarbeiten und zur Verfügung zu stellen.

 

Effizienz organischer Solarzellen gleichauf mit kristallinen Zellen

Effizienz organischer Solarzellen gleichauf mit kristallinen Zellen

Forscher des Qingdao Institute of Bioenergy and Bioprocess Technology (QIBEBT) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) haben kürzlich das Material ternärer organischer Solarzellen (TOSCs) optimiert und Wirkungsgrade erzielt, die denen kristalliner Solarzellen in nichts nachstehen sollen.

Organische photovoltaische Solarzellen (OSCs) sind eine Art von Solarzellen, die organische Materialien verwenden, die typischerweise aus kleinen Molekülen oder Polymeren bestehen, um Sonnenlicht in Elektrizität umzuwandeln, im Gegensatz zu herkömmlichen anorganischen Solarzellen, die kristallines Silizium oder andere anorganische Materialien verwenden.

Einer der Hauptvorteile von OSCs ist ihre Flexibilität und ihr geringes Gewicht. Sie können mithilfe lösungsbasierter Verfahren wie dem Tintenstrahldruck kostengünstig in flexiblen Rollen anstelle von starren Platten hergestellt werden, wodurch sie für vielfältige Anwendungen wie Sensoren, tragbare Ladegeräte oder tragbare Elektronik geeignet sind. OSCs können auch halbtransparent oder in verschiedenen Farben gestaltet werden, was eine ästhetische Integration in Gebäude, Fenster oder andere Strukturen ermöglicht.

Allerdings haben OSCs eine geringere Leistungsumwandlungseffizienz (PCE) als anorganische Solarzellen. TOSCs haben die Situation in gewissem Maße verändert. Im Gegensatz zu den herkömmlichen binären organischen Solarzellen, die aus einem Donormaterial und einem Akzeptormaterial bestehen, enthalten TOSCs eine zusätzliche dritte Komponente, die oft als „Gast“ bezeichnet wird. Diese Gastkomponente wird eingeführt, um verschiedene Aspekte des Solarzellenbetriebs zu optimieren, von der Optimierung der internen Energieflüsse der Zelle bis hin zur Verbesserung der Art und Weise, wie die Zelle Licht in Strom umwandelt.

Von besonderem Interesse für PCE-Gewinne ist, dass die Gastkomponente auch das Spektrum des absorbierten Lichts erweitern kann. Durch die Auswahl eines Gastmaterials, das Licht in einem Bereich absorbiert, der nicht vom Donor oder Akzeptor abgedeckt wird, kann die gesamte Sonnenlichtabsorption der Zelle erhöht werden. In der Zwischenzeit kann die Morphologie des Mischfilms, in der Exzitonendissoziation, Ladungserzeugung und Transport ablaufen, gut abgestimmt werden.

Angesichts der vielen verschiedenen Funktionen, die die Gastkomponente übernehmen kann, kann ihre spezifische Position innerhalb des „Sandwichs“ oder der Matrix der Solarzelle die Leistung radikal verändern. „Je nach Platzierung kann die Gastkomponente entweder blitzschnell Energie übertragen oder dazu beitragen, mehr Sonnenlicht einzufangen“, sagte LI Yonghai, Co-Autor der Studie.

Es gibt drei verschiedene Standortmöglichkeiten: eingebettet in das Donormaterial, eingebettet in das Akzeptormaterial oder auf irgendeine Weise zwischen der Grenzfläche von Donor und Akzeptor verteilt, wodurch gemischte, legierungsartige Strukturen (Aggregate) gebildet werden. Bisher wurde dem Herumspielen mit der Position von Gastkomponenten jedoch nur sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

In ihrer Studie verwendeten die Forscher im TOSC eine Gastkomponente namens LA1 (die sich von anderen Gastkomponentenmaterialien hinsichtlich ihrer Kristallinität unterscheidet). LA1 ist ein kleiner Molekülakzeptor, den die Forscher mit Phenylalkylseitenketten modifiziert haben – eine funktionelle Gruppe (Ansammlungen von Atomen innerhalb von Molekülen, die ihre eigenen Eigenschaften haben), die häufig beim Design organischer Materialien für den Einsatz in Photovoltaikgeräten verwendet wird. LA1 wurde mit der Phenylalkyl-Seitenkette modifiziert, um seine Kristallinität und Ausrichtung zu verbessern und gleichzeitig eine zufriedenstellende Kompatibilität beizubehalten, was wiederum seine Leistung im TOSC steigert.

Darüber hinaus regulierten die Forscher die Verteilung ihrer Gastkomponente, indem sie mit verschiedenen Bedingungen experimentierten, die die Interaktion mit den Wirtskomponenten steuern, darunter Wirt-Gast-Kompatibilität, Oberflächenenergie, kristalline Kinetik und intermolekulare Wechselwirkungen. Dabei fanden sie legierungsartige Aggregationen innerhalb der meisten Gastmoleküle, die auch in die Wirtsmoleküle eindrangen und sich dort verteilten.

Beeindruckend ist, dass die Kristallgröße dieser eingebetteten Wirt-Gast-„Legierungen“ leicht fein abgestimmt werden kann, um den elektrischen Ladungstransport zu verbessern und die Ladungsrekombination zu unterdrücken. Dadurch konnten die Forscher zunächst PCE-Steigerungen von über 15 Prozent erzielen und durch die Kombination ihrer Gastkomponente mit der Y6-Akzeptorfamilie als Wirtskomponente noch größere Effizienzsteigerungen von über 19 Prozent erzielen.

Die Forscher sind der Meinung, dass sie beträchtliche experimentelle Erfolge erzielt haben, die treibenden Kräfte dieser Fortschritte sind jedoch theoretisch noch nicht so gut verstanden. In Zukunft hoffen die Forscher, diese zugrunde liegenden Mechanismen besser klären zu können.

Preisentwicklung Module 2017-2023

Preisentwicklung Module 2017-2023

Im August 2023 fallen die Preise für Photovoltaikmodule scheinbar drastisch. Unter anderem werden volle Lager asiatischer Hersteller als Grund genannt. Angeblich sollen auch Subventionen. Tatsächlich waren die Modulpreise im September 2020 schon einmal niedriger. Unter 30 Euro-Cent für Premium-Module. Das war zu Corona-Zeiten, ein Ausnahmezustand. Im Sommer 2022 entwickeln sich die Preise nach Oben, um ein Jahr später wieder zu sinken. das zeigt die Grafik, die wir auf Basis der Daten von pv-exchange erstellt haben und die natürlich nur einen allgemeinen Überblick darstellen. Einige Premium-Modulhersteller bewegen sich im Einkauf aktuell bei über 60 Cent. Im Einzelfall entscheidet natürlich der Kunde individuell, welche PV-Module er sich aufs Dach, an die Fassade oder in den Garten installieren möchte.

Es gibt gute Gründe, mehr Geld für hochwertige Module auszugeben: mehr Leistung bei Schwachlicht und dadurch eine bessere Wirtschaftlichkeit, höhere Widerstandskraft gegen Hagel, Starkregen und mechanische Einflüsse und eine lange Nutzungsdauer von über 40 Jahren. Entscheiden muss jeder Kunde selbst. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass die Preise sich in Wellen bewegen.

M. Gorgus

Solarpaket 1 – mehr Freiheit für Freiflächen-PV ist beschlossen

Solarpaket 1 – mehr Freiheit für Freiflächen-PV ist beschlossen

Mehr Freiheit für Freiflächen-PV ©SOLAR-professionell/ M. Gorgus

Am 16. August 2023 wurde das Solarpaket 1 vom Bundeskabinett beschlossen. In einem gemeinsamen Pressepapier von Bundeswirtschaftsministerium, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird ein schneller Ausbau von Photovoltaik vor allem bei Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen versprochen.

Installiert werden sollen Photovoltaikanlagen mindestens zur Hälfte als Dachanlagen, aber auch als Freiflächenanlagen. Ziel ist eine regionale, ortsnahe Erzeugung von Strom für Eigenverbrauch und ohne lange Transportwege. In der Freifläche soll Flächenkonkurrenz durch Agri-PV verhindert werden, die eine Doppelnutzung von Boden ermöglicht, sowohl für landwirtschaftlichen Nutzung, als auch für die Erzeugung von erneuerbaren Energien. Dafür sollen im EEG (erneuerbare Energien Gesetz) der Begriff der „Biodiversitäts-PV“ eingeführt werden, eine Mindestöffnung der landwirtschaftlichen Fläche von 1 % für PV-Anlagen pro Bundesland sowie neue Förderungssätze aufgenommen werden. Der Prozess soll laut Ministerien spätestens im Frühjahr 2024 abgeschlossen sein.

PV auf landwirtschaftlichen Flächen

Benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete werden grundsätzlich für die Förderung klassischer PV-Freiflächenanlagen geöffnet. Die Mindestöffnung beträgt 1 % der landwirtschaftlichen Flächen eines Landes bis 31.12.2030, ab 2031 sind es 1,5 % der landwirtschaftlichen Flächen. Bundesländer können aus der Verpflichtung aussteigen, wenn bereits viele landwirtschaftliche Flächen durch PV-Anlagen genutzt werden.
Werden Flächen in einem benachteiligten Gebiet durch Rückbau von Photovoltaikanlagen wieder frei, kann in benachteiligten Gebieten wieder die gleiche Leistung wieder zugebaut werden. Interessant ist, dass im Solarpaket im Zusammenhang mit Fläche von Leistung gesprochen wird. Eine Freiflächenanlage, die nach 20 Jahren rückgebaut wird, dürfte mit neuer Modultechnik auf gleicher Fläche die doppelte Leistung – oder mit der Hälfte der Fläche die gleiche Leistung wie die alte Anlage liefern.
Schutzgebiete nach Bundesnaturschutzgesetz sind auch in Zukunft von einer EEG-Förderung ausgenommen.

Agri-PV erhält eigene Förderung

Für Agri-PV, Floating-PV, Moor-PV und PV über Parkplätzen wird eine eigene Unterkategorie im EEG mit eigenem Höchstwert von 9,5 ct/kWh in den Ausschreibungen eingeführt. Darunter fallen extensive Agri-PV-Anlagen mit
  • mindestens 2,10 Meter lichter Höhe, Module aufgeständert sowie
  • vertikale Agri-PV mit lichter Höhe von mindestens 2,10 Meter.

Einen Extrabonus gibt es für extensive Bewirtschaftung. Anlagenbetreiber müssen dem Netzbetreiber z.B. nachweisen, dass sie keine Herbizide auf Agri-PV-Flächen einsetzen.

Biodiversitäts-PV wird im EEG festgeschrieben

Die Bundesregierung will den Begriff der „Biodiversitäts-PV“ ins EEG aufnehmen. Das soll eine besonders naturverträgliche Variante der Freiflächen-PV werden. Die genauen Anforderungen sollen bis zum Frühjahr 2024 in einer Verordnung geregelt werden.

M. Gorgus

 

 

Fährt die AfD die Energiewende an die Wand?

Fährt die AfD die Energiewende an die Wand?

Was wäre, wenn die AfD mitregieren würde – wäre das der Tod der Energiewende? ©PantherMedia

Die Alternative für Deutschland (AfD) bezieht in ihrem Parteiprogramm klar Position zu Energiewende und erneuerbaren Energien. Sowohl das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als auch erneuerbare Energien werden als Kostentreiber für Mieter, Gebäudeeigentümer und die gesamte Bevölkerung benannt. Laut einer Forsa-Umfrage vom 15. August erhielt die AfD bundesweit 21 % der Wählerstimmen. Bündnis 90/die Grünen erhalten in dieser Umfrage 15 % Zustimmung, CDU/CSU 25 %, SPD 17 % und die FDP 7 %.  Sollte die AfD bei der nächsten Bundestagswahl an der Regierung beteiligt werden, kann das mit großer Wahrscheinlichkeit auch Folgen für die erneuerbaren Energien in diesem Land haben. Die kleine FDP hat es 2011 geschafft, die deutsche Photovoltaik-Branche mit nur 14,6 % der Wählerstimmen an die Wand zu fahren.
Die AfD, das Klima und die Energie

In Ihrem Parteiprogramm äußert sich die AfD in Kapitel 12 zu Energiepolitik und Klimaschutz:

  • Unter dem Schlagwort „Klimaneutrales Deutschland 2050“ durch „Dekarbonisierung“ missbraucht die deutsche Regierung die steigende CO2-Konzentration zur „Großen Transformation“ der Gesellschaft, mit der Folge, dass die persönliche und wirtschaftliche Freiheit massiv eingeschränkt wird.
  • Auf dem Weg dorthin wird auch unsere bisher sichere Stromversorgung destabilisiert und weiter verteuert, außerdem soll die Wärmeerzeugung durch fossile Energieträger praktisch auf null gebracht werden. Die AfD sagt daher „Ja zum Umweltschutz“, macht aber Schluss mit der „Klimaschutzpolitik“ und mit den Plänen zur Dekarbonisierung und „Transformation der Gesellschaft“.
Die AfD zum Erneuerbare-Energien-Gesetz / EEG

Das AfD-Parteiprogramm lässt für die Erneuerbaren Energien nichts Gutes erahnen. Unter 12.2 ist zu lesen:

  • Die Stromerzeugung muss sicher, kostengünstig und umweltverträglich sein. Dieser Dreiklang war im deutschen Energieversorgungs-System immer gegeben, wurde aber mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aufgegeben.
  • Das EEG und die Energiewende gefährden die Stromversorgung. Sie treiben technisch bedingt den Strompreis hoch.
  • Die installierte Leistung dieser volatilen Stromerzeuger beträgt bereits mehr als 80 Gigawatt und müsste daher ausreichen, Deutschland selbst bei maximalem Verbrauch vollständig mit Strom zu versorgen. Real aber haben diese „EE-Anlagen“ in der Vergangenheit im Durchschnitt nur einen Bruchteil ihrer Nennleistung geliefert, an vielen Tagen im Jahr sogar nur wenige Prozent. Deshalb können diese Anlagen kein einziges herkömmliches Großkraftwerk ersetzen. Außerdem erzwingen sie einen massiven Ausbau der Leitungsnetze, der zu weiteren erheblichen Kosten führt.
  • Das EEG ist staatliche Planwirtschaft und eine Abkehr von der Sozialen Marktwirtschaft. Begründet mit dem „Klimaschutz“ werden die sonst nicht marktfähigen Anlagen massiv subventioniert. Das geschieht durch staatliche Zwangsvermarktung mittels Vorrangeinspeisung und zwanzigjähriger garantierter Einspeisevergütung. Die Kosten dieser Subventionierung von mittlerweile 27 Milliarden EURO jährlich werden mittels EEG-Umlage auf die Verbraucher abgewälzt.
  • Die AfD tritt daher dafür ein, das EEG ersatzlos abzuschaffen. Es darf kein Tabu sein, den Umfang bestehender Subventionsverpflichtungen aus dem EEG infrage zu stellen.
  • Die AfD wird sich dafür einsetzen, dass das als verfassungs- und europarechtswidrig eingestufte EEG vom Bundesverfassungsgericht geprüft wird.

Viele Argumente sind für Menschen, die länger in den Erneuerbaren Energien tätig sind, alte Bekannte:  Erneuerbare sind zu teuer, funktionieren nicht, weil die Sonne nachts nicht scheint und der Wind nicht immer weht, und sie gefährden die Netzstabilität. Ähnlich argumentierte Wirtschaftsminister Rössler (FDP) 2011 für außerplanmäßige Subventionskürzungen die das Ende der deutschen PV-Branche im Jahre 2013 besiegelten.

Tatsächlich war die Förderung der Erneuerbaren Energien mit der EEG- Umlage transparent und nachvollziehbar, anders als z. B. die steuerbasierten Subventionen der Atom- und Kohlekraftwerke. Gigantische Stromtrassen werden gebaut, weil ein dezentrales Versorgungskonzept nicht gedacht wurde.

Trotz aller Angriffe waren die Erneuerbaren nicht totzukriegen und liefern heute zeitweise über 50 Prozent des Stroms im deutschen Netz. Der Börsenstrompreis ist durch sie niedriger denn je. Teuer ist der Strom unter anderem, weil fossile Brennstoffe eingesetzt werden, deren Preis seit Jahren steigt. Es sollte klar sein, dass eine Regierung mit AfD-Beteiligung für die Branche der Erneuerbaren kein Gewinn sein wird.

AfD und Bioenergie

In ihrem Parteiprogramm formuliert die Partei in Punkt 12.4 eine Kampfansage gegen Bioenergie. O-Ton: „Subventionen beenden, Vorrangeinspeisung einstellen“. Das betrifft vor allem alle Biogasanlagen. Das Argument: Der Verbrauch landwirtschaftlicher Nutzfläche für Bioenergie sei unangemessen groß. Tatsächlich ist es so, dass Landwirtschaft international operiert. Landwirtschaftliche Produkte, die in Deutschland erzeugt werden, auf dem Weltmarkt aber nicht verkauft werden, weil die Qualität zu schlecht ist, finden in Biogasanlagen immer eine sinnvolle Verwertung, die auch dem Landwirt eine Einnahme sichert. Biogasanlagen tragen mit flexibler Fahrweise zur Netzstabilisierung bei. Nahwärmenetze in Verbindung mit Biogasanlagen steigern die Effizienz der Bioenergie gewaltig und fördern regionale Wertschöpfung. Die Teller-Tank-Diskussion ist eine populistische Karte, die von Parteien gerne gespielt wird, um eigene Interessen durchzusetzen. Hat aber mit der Realität moderner Landwirtschaft nichts zu tun. Diese bearbeitet praktisch noch die gleiche Fläche wie vor dem zweiten Weltkrieg, mit dem Unterschied, dass damals auf rund einem Drittel der landwirtschaftlichen Fläche Futtermittel für Arbeitstiere erzeugt wurden und diese Fläche somit nicht für die Nahrungsmittelerzeugung zur Verfügung stand. 1939 lebten in Deutschland 79,4 Millionen Menschen – 2019 waren es laut statistischem Bundesamt 83,2 Millionen. Richtig ist, dass Deutschland immer mehr Lebensmittel importiert. So stieg die Einfuhr von Lebensmitteln und Agrarprodukten im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr von 90,2 Mrd. Euro auf 110,5 Mrd. Euro. Die Energiewende ist dafür nicht der Grund. Eher ist es der Rückgang landwirtschaftlicher Betriebe ein Grund. Davon gab es in Westdeutschland 1950 noch 1,65 Millionen, 2022 noch 256.000.

Fazit

Die Alternative für Deutschland ist gegen die Energiewende, den Klimaschutz und Erneuerbare Energien. Das gefährdet eine ganze Branche mit aktuell rund 350.000 Arbeitsplätzen – Tendenz steigend. Die AfD gefährdet damit aber auch die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Sie unterstellt, dass mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien die Versorgung Deutschlands mit Strom gefährdet wird. Dabei berücksichtigt jeder seriöse Ansatz mit Erneuerbaren, dass Photovoltaik und Windenergie nicht konstant Energie liefern. Energieversorgung ist kein nationales, sondern ein internationales Geschäft. Stromnetze in Europa sind vernetzt – Strom wird seit Jahrzehnten in- und exportiert. Es gibt Gas- und Wasserkraftwerke sowie Biogasanlagen, die konstant Strom liefern können und Netze stabilisieren. In Zukunft wird auch Industrie und Gewerbe mit nicht kontinuierlichen Energien zuverlässig produzieren können. Die Technik dafür ist bereits vorhanden.

Im Energiebereich scheint die AfD eine rückwärtsgerichtete Technologie zu favorisieren, die den Industriestandort Deutschland teuer zu stehen kommen wird. Tatsächlich ist Energie aus Wind und Sonne nicht nur unerschöpflich – sondern auch die günstigste und umweltverträglichste Energieform überhaupt.

M.Gorgus

 

 

Die CO₂-Steuer soll teurer werden – Druck zur energetischen Sanierung steigt

Die CO₂-Steuer soll teurer werden – Druck zur energetischen Sanierung steigt

©Umweltbundesamt

Meldung aus der Immobilien-Branche: Einem Bericht zufolge soll die geplante CO₂-Steuer für das Jahr 2024 teurer werden. Anstatt von 35 Euro soll sie auf 45 Euro je Tonne CO₂ angehoben werden – und kontinuierlich steigen. Vermieter werden an den Kosten für die Steuer beteiligt. Je nach CO₂-Ausstoß des Gebäudes mit einem Anteil zwischen 0 und 95 %. Sie sollen aber Modernisierungskosten auf Mieter umlegen dürfen – noch. Das wird Konsequenzen für den Wohnungsmarkt haben und die erneuerbare Energien-Branche.
Wem bringt das was?
Dem Klima und zukünftigen Generationen – so heißt es. Als Erstes wandert mehr Geld vom Bürger zum Staat. Für Vermieter entsteht ein Modernisierungszwang. Baukosten, Energie wird teurer, die Preise für Komponenten steigen und zu guter Letzt die Mieten. Der Mechanismus: Preise für energieintensiven, aber günstigen Wohnraum steigen durch CO₂-Bepreisung, Mieter verlassen billigen Wohnraum und mieten energetisch optimierte Gebäude. Dadurch wird Druck auf Vermieter ausgeübt, da diese an der CO₂-Steuer beteiligt werden. Abhängig vom Sanierungsstand eines Wohngebäudes sollen Vermieter zwischen 0 % und 95 % der Steuer zahlen. Natürlich werden Vermieter sofort Hunderttausende Euro in die Hand nehmen, um ihre alten Buden in ein top gedämmtes Wohngebäude umzuwandeln. Am besten Passiv-Haus- oder Plus-Energie-Haus-Standard.
Wie wirkt sich Modernisierung auf Mieten aus?
Sie werden steigen. Die Modernisierungskosten werden nach gesetzlichem Schlüssel auf die Mieten umgelegt – aktuell über einen Zeitraum von 12 Jahren. Näheres soll das Gebäude-Energie-Gesetz – kurz „GEG“ regeln, das im September verabschiedet wird. Nach eigenen Berechnungen schlägt eine energetische Modernisierung mit spürbare reduzierendem Effekt auf die CO₂-Bilanz von einem Wohngebäude der Energieklasse Klasse E mit mehreren hundert Euro Mietpreissteigerung zu Buche. Es scheint wie die Wahl zwischen Pest oder Cholera: Entweder Modernisierung oder CO₂-Steuer zahlen.
Wie teuer ist die CO₂-Steuer
Für eine 90-Quadratmeter-Wohnung entspricht das zwischen 40 und 50 Euro mehr CO₂-Steuer pro Jahr. Die dürfen sich Mieter und Vermieter teilen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) dementierte die Erhöhung – bislang. Gerade knatterte per „Flurfunk“ aus der Immobilien-Szene eine Meldung auf den Bildschirm, dass einem Bericht zufolge die geplante CO₂-Steuer für das Jahr 2024 teurer werden soll. Anstatt von 35 Euro soll sie auf 45 Euro je Tonne CO₂ angehoben werden.
Wem bringt das was?
Dem Klima und zukünftigen Generationen – so heißt es. Als erstes wandert mehr Geld zum Staat, Mieten steigen, Baukosten auch und es entsteht ein Modernisierungszwang für Vermieter. Die Theorie hinter dem System: Preise für Wohnraum steige, Mieter verlassen billigen Woghnraum und mieten energetisch optimierte Gebäude. Vermieter zahlen die CO2-Steuer mit – abhängig vom Sanierungsstand eines Wohngebäudes zwischen 0 % und 95 % und werden aufgrund dieses Drucks sofort hunderttausende Euro in die Hand nehmen und ihre alte Bude in ein top gedämmtes Wohngebäude renovieren. Am besten Passiv-Haus- oder Plus-Energie-Haus-Standard.
Wie wirkt sich Modernisiereung auf Mieten aus?
Sie werden steigen. Die Modernisierungskosten werden nach gesetzlichem Schlüssel auf die Mieten umgelegt – aktuell über einen Zeitraum von 12 Jahren. Näheres soll das Gebäude-Energie-Gesetz – kurz „GEG“ regeln, das im September verabschiedet wird. Nach eigenen Berechnungen schlägt eine energetische Modernisierung mit spürbare reduzierendem Effekt auf die CO2-Bilanz von eime Wohngebäude der Energieklasse Klasse E mit mehreren hundert Euro Mietpreissteigerung zu Buche. Es erscheint ein wenig wie die Wahl zwischen Pest oder Cholera: Entweder Modernisierung oder CO2-Steuer zahlen.
Wie teuer ist die CO2-Steuer
Für eine 90-Quadratmeter-Wohnung entspricht das zwischen 40 bis 50 Euro mehr CO₂-Steuer pro Jahr. Die dürfen sich Mieter und Vermieter teilen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) dementierte die Erhöhung – bislang.
Vorläufige CO2-Bepreisung/ Tonne
Jahr Preis je Tonne CO₂ Heizöl Erdgas
2021 25 Euro 7,9 ct/l 0,6 ct/kWh
2022 30 Euro 9,5 ct/l 0,7 ct/kWh
2023 30 Euro 9,5 ct/l 0,7 ct/kWh
2024 35 Euro 11,1 ct/l 0,8 ct/kWh
2025 45 Euro 14,2 ct/l 1,1 ct/kWh
2026 55 Euro 17,4 ct/l 1,3 ct/kWh
Quelle: energie-experten.org
Was bedeutet das für Mieter und Vermieter?
Für den Vermieter mehr Aufwand. Für beide mehr Kosten. Entweder man zahlt für Brennstoffe und die damit verbundenen Steuern, oder man modernisiert und hat da die Kosten. Der Verkaufspreise für Bestands-Gebäude wird in Zukunft eng mit dem Energieverbrauch zusammenhängen. Preise von Bestands-Gebäuden werden fallen, Kosten für Sanierung werden steigen – damit auch die Mieten, da ansonsten Vermieter insolvent gehen – auch wenn manchen Politiker, diesen Zusammenhang nicht verstehen wollen oder können: Es ist tatsächlich so, dass ein Zustand, bei dem die Ausgaben die Einnahmen dauerhaft übersteigen, zur Pleite führen.
Das sagt der Energieberater:
Bauen nach aktuellen Standards ist in Deutschland teuer – so teuer, dass nach Expertenaussage das Vermieten eines Neubaus unter 11 Euro pro Quadratmeter nirgendwo in diesem Land wirtschaftlich ist. Material, Löhne, Richtlinien und Steuern – all das treibt die Preise generell nach oben, sowohl auf dem Land als auch in den Metropolen. Menschen haben zwei Möglichkeiten, dieser Situation in Zukunft entgegenzuwirken: Sie können kleiner wohnen oder teurer und hoffen, dass die Einsparungen beim Brennstoff die höheren Mieten wieder kompensieren. Leider ist aktuell noch völlig unklar, was mit dem Heizungsgesetz auf die deutsche Bevölkerung zukommt, wie sich die Brennstoffpreise in Zukunft entwickeln werden, wie die nächste Wahl ausgeht und wer dann welche Entscheidungen trifft.
Was können Vermieter tun?
Wer Wohnungen im Bestand führt und diese zukunftsfähig machen möchte, wird um eine energetische Modernisierung nicht herumkommen. Das bedeutet Auseinandersetzung mit dem Thema, Fachwissen aneignen und keine falschen Entscheidungen zu treffen und Planung der Investition. Planung ist in der aktuellen Marktlage schwierig. Die Preise für Erdsonden-Bohrungen sollen sich innerhalb von Wochen verdoppelt haben. Die Preise von Strom, Gas, Öl, Holz sind im Dauerhoch. Weitestgehend unabhängig werden, um Energiepreise zu sichern, ist Leitspruch der Stunde.  
SOLFINITY mit interessanten Angeboten auf der Intersolar 2023

SOLFINITY mit interessanten Angeboten auf der Intersolar 2023

Das Solfinity Team lädt ein zu guten Gesprächen, Intersolar 23 – Stand A.410 ©Solfinity

Am Mittwoch, 14. Juni startet in München die Weltleitmesse Intersolar – der internationale Treffpunkt für die Photovoltaik-Branche! Mit dabei ist Solfinity – einer der führenden Großhändler von Photovoltaik-Komponenten in Europa. On Halle A4, Stand 410 präsentiert das Unternehmen nicht nur sein komplettes Angebotsportfolio, sondern auch seine neue Deutschlandvertretung – mit großartigen Startangeboten. Kommen Sie vorbei – es lohnt sich!

Interessante Messeangebote

Treffen Sie Solfinity auf der Intersolar und tauchen Sie ein in die Solfinity-Welt einzigartiger Kennenlernaktionen! Rechnen Sie bei Ihrem Besuch am Stand 410 in Halle A4 mit umwerfenden Sonderangeboten – lassen Sie sich diese Gelegenheiten nicht entgehen:

  • 5 % Rabatt auf Ihren ersten Einkauf
  • 10 % Rabatt auf 400 und 405 W TW Solarmodule (Angebot gültig nach Eingabe des Rabattcodes)
  • 24 % Rabatt auf Hypontech-Wechselrichter und Pylontech-Akkus
  • 7 % Rabatt auf Ihre Bestellung von Trina Solar-Modulen und Tigo-Leistungsoptimierern

Einfach unter dem folgenden Link registrieren und Angebot nutzen: https://solfinity.pl/de/.

Für Sie haben wir auf der Messe „all Hands on Deck“

Während der Messe stehen Ihnen auf dem Solfinity-Stand unsere erfahrenen Photovoltaik-Spezialisten zu jedem Thema zur Verfügung: Egal, ob Technik, Handel oder Vertrieb – Sie finden garantiert einen kompetenten Ansprechpartner für Ihr individuelles Anliegen. Unsere Experten stehen Standbesuchern für alle Fragen gerne zur Verfügung.

Das ganze Solfinity-Angebot in München auf einen Blick

Das SOLFINITY-PV-Portfolio wird seit über 17 Jahren kontinuierlich entwickelt und lässt heute für Planung, Installation und Service von Photovoltaik, Stromspeicher bis Ladeinfrastruktur für Installateure und Planer keine Wünsche offen. Die ausgesprochen breite Solfinity-Produktpalette bietet für Kunden Komponenten für Dachanlagen aller Art – bis hin zu Freiflächensystemen.

Überzeugen Sie sich bei Ihrem Besuch am Stand 410 von Solfinity Service und -Angebot! Vom Wechselrichter über PV-Module unterschiedlicher Leistung bis hin zu Energiespeichern für private und gewerbliche Anlagen sowie Komponenten für Ladeinfrastruktur liefert Solfinity die komplette Rundumausstattung für solare Energieautarkie – inklusive E-Mobiltät. Auch Entwickler großer Photovoltaik-Projekte wird das Angebot begeistern: Solfinity unterstützt Kunden sowohl bei der Planung von PV-Kraftwerken als auch mit schneller und zuverlässiger Lieferung.

Solfinity ist immer am Puls der Zeit – reden wir über neue Branchen-Trends!

Der Photovoltaik-Markt in ganz Europa unterliegt einem ständigen Wandel. Dieser Dynamik wird Solfinity mit seiner Präsenz auf 32 europäischen Märkten gerecht. Wir beobachten Trends, hören auf unsere Kunden und passen unser Angebot kontinuierlich an – sowohl in Deutschland als auch in allen anderen Ländern. Neue Trends sind auch immer Thema bei uns am Stand 410 in Halle A. Sprechen Sie mit unseren Experten, und lassen Sie uns gemeinsam passende Lösungen für die Weiterentwicklung ihres Geschäfts finden!

PV-Großhändler CORAB intensiviert PV-Engagement in Deutschland, Österreich, Schweiz

PV-Großhändler CORAB intensiviert PV-Engagement in Deutschland, Österreich, Schweiz

2023 intensiviert der polnische Marktführer für Photovoltaik Großhandel seine Marktaktivitäten in der DACH-Region, Deutschland, Österreich und Schweiz.  Im Vorfeld der Intersolar hat das Unternehmen mit deutschsprachiger Website, erweitertem Service und Support sein Angebot speziell für Kunden in der DACH-Region optimiert. Auf der ees / intersolar 2023 präsentiert CORAB zum ersten Mal sein PV-Gesamtangebot, das Lösungen für Dachanlagen aller Art, PV-Freiflächensysteme bis zu Agri-PV, Stromspeicher, Ladeinfrastruktur und Zubehör umfasst. Im Portfolio finden Kunden nicht nur bekannte europäische, internationale und CORAB-Eigenmarken, sondern auch Planungstools und Fortbildungsangebote in der CORAB-Akademie.

CORAB Unterkonstruktion – das Fundament von PV und Großhandel

CORAB ist bereits seit Jahren mit einer Niederlassung in Deutschland vertreten. Deren Handelsschwerpunkt lag bisher vor allem auf PV- Unterkonstruktionen aus eigener Fertigung. Allein dieses Angebot ist beeindruckend und umfasst nicht weniger als die ganze Palette an Unterkonstruktionen, für Flach- und Schrägdächer, Ziegel- sowie Blechdächer aller Art. Außerdem gehören zum Programm Carportsysteme, Modultische, Ost-Westsysteme und sogar Tracker Systeme für Freiflächenanlagen – zum Rammen, für Betonfundamente oder freistehend. Selbst Lösungen für vertikale- und über-Kopf Agri-PV System bietet CORAB in seinem Programm.

One-Stop-Shop – nichts, was es nicht gibt

CORAB liefert für Installateure das volle Programm, von der Unterkonstruktion über Module, Wechselrichter, Stromspeicher bis zu Ladeinfrastruktur und Zubehör hält das Unternehmen in vier Auslieferungslagern auf über 30.000 Quadratmetern alles bereit, was Solarstromanlagen zum Laufen bringt. Dabei gilt das CORAB-Versprechen: Schnelle Angebotskalkulation. Schnelle Auftragsabwicklung. Schnelle Lieferung. Mit dem eigenen CORAB PV-Konfigurator werden alle Komponenten ausgelegt und Aufträge zusammengestellt. Installateuren steht der Konfigurator kostenlos zur Verfügung und garantiert durch intuitive Benutzeroberfläche eine einfache Bedienung. PV-Zubehör – vom Schaltschrank, über Optimierer, Netzfilter, Brandschutzschalter bis zum Solarkabel – runden das Portfolio ab.

CORAB Markenwelten

Installateure finden bei CORAB viele namhafte europäische und asiatische Hersteller. Von Wechselrichtern, Modulen, Stromspeichern Ladestationen bis zum PV-Zubehör findet sich alles im Portfolio. Namen wie BYD, Fronius, Huawei und SolarEdge sind genauso vertreten wie Sofar, Sungrow, Trinasolar und Webasto. Besonderes Schmankerl im Angebot: die CORAB Eigenmarke „Encor“ unter der in Polen gefertigte Photovoltaikmodule, Wechselrichter und Mikrowechselrichter, sowie ein Lithium-Eisen -Phosphat-Speicher mit über 6000 Zyklen und einer Kapazität von sechs bis zwölf Kilowattstunden angeboten werden. Das Beste dabei: Das Angebot steht nicht nur im Internet – die Ware ist lagernd.

Modernste Logistik garantiert schnelle Lieferung

CORAB beliefert aus vier Logistikzentren an vier strategisch günstig gelegenen Standorten Skandinavien, Deutschland, Österreich, Schweiz, Westeuropa, Polen und die Ukraine. 2019 wurde in Olsztyn ein hochmodernes Hochregallager Betrieb genommen, das 2020 von 7500 auf 15.000 Quadratmeter erweitert wurde. Modernste Logistik-Soft- und Hardware garantieren täglich mehr als 500 bearbeitete Bestellungen, die in der Regel binnen 48 Stunden zum Empfänger verschickt werden.

Die CORAB Akademie

Weiterbildung von Profis für Profis heißt Qualität nachhaltig sichern. In den vergangenen sieben Jahren haben über 6000 Photovoltaik-Profis die CORAB Akademie zur Weiterbildung genutzt. Dabei konnten sie aus 21 unterschiedlichen Schulungsangeboten wählen. Die Themen reichen von unterschiedliche Aspekten der erneuerbare Energien, bis hin zu Wärmepumpe .

2023 Aufbruch zu neuen Ufern

Großer CORAB Auftritt auf der Intersolar 2023 – zum ersten Mal mit dem CORAB-Großhandel-Gesamtprogramm. Mit vollem Service für Installateure, Anlagenplanern und Gebäudetechnikern in der Dach-Region mit der ganzen CORAB-Markenwelt qualitativ hochwertigen Photovoltaik-Komponenten und deutscher Website https://de.corab.pl/.

Besuchen Sie uns auf der Intersolar in Halle C., Standnummer C4.520. Wir freuen uns auf interessante Gespräche von Profi zu Profi.

Kontakt: support.de@corab.com.pl, Tel.: +48 799 396 396

Windkraft- und Solaranlagen bis 2045

Windkraft- und Solaranlagen bis 2045

© Geobasis-DE/BKG 2021

Netzausbau visualisiert:

Vier Übertragungsnetzbetreiber haben einen Entwurf des Netzentwicklungsplans für die Jahre 2037 und 2045 im Vergleich zum Quartal 1 des Jahres 2022 veröffentlicht. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE hat in drei Modellkarten visualisiert, wo in Zukunft Windkraft- und Photovoltaikanlagen in welcher Dichte installiert werden könnten.

Dekarbonisierung mit Grünstrom

Die Dekarbonisierung Deutschlands soll mit erneuerbarem Strom erfolgen. Dafür wurde die Verdoppelung des Energiebedarfs auf über 1000 Terawattstunden im Jahre 1045 errechnet. Das bedeutet eine Verfünffachung der Erzeugungsleistung aus erneuerbaren Energien auf ca. 700 Gigawatt bis 2045. Trotz dezentraler, regionaler Stromerzeugung kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Netze weiter ausgebaut werden müssen.

Empirische Kartenentwicklung

Bei der Kartenentwicklung habe sich die Entwickler auf unterschiedliche Daten zurückgegriffen. Unter anderem aus regionalen Wachstumsdaten aus der Vergangenheit, genauso wie Bodenwerte, Einstrahlungswerten und Daten zu Wind. Den Übertragungsnetzbetreibern geht es vor allem um eine Darstellung des Netzausbaues. Die Leistung, vor allem der Dachanlagen sollte allerdings vor allem vor Ort erzeugt und auch verbraucht werden. Transporte bedeuten Verluste und das sollte in jedem Fall vermieden werden.

mgo

Mehr Geld für Freiflächen-Photovoltaik

Mehr Geld für Freiflächen-Photovoltaik

7,37 Cent / kWh für Freiland-PV

Das sagt zumindest die Bundesnetzagentur, die heute ihre Höchstwerte für Ausschreibungen für PV-Freiflächenanlegen im Jahr 2023 bekannt gegeben hat und auf 7,37 ct/kWh festgelegt hat.

Der neu festgelegte Preis ist eine Reaktion auf höhere Kosten bei Bau und Betrieb von PV-Anlagen sowie auf gestiegene Zinsen bei der Finanzierung von Anlagen.

Bundesnetzagentur darf ohne Rückfrage bis 25 % erhöhen

Die Bundesnetzagentur darf mit Beschluss des deutschen Bundestages vom 15. Dezember 2022 Preise pro Kilowattstunde für Solaranlagen nun nicht mehr nur bis 10 Prozent, sondern um bis zu 25 Prozent ohne Abstimmung vornehmen. Die Festlegung gilt für die Ausschreibungen im Jahr 2023 und damit bereits für den Gebotstermin zum 1. März 2023.

Link

Zur Festlegung des Höchstwerts geht es hier:  www.bundesnetzagentur.de/ausschreibungen-solarsegment1

PV-Zelle mit Weltrekord-Wums!

PV-Zelle mit Weltrekord-Wums!

Aufbau der Tandemsolarzelle mit einer Unterzelle aus Silizium und einer Topzelle aus Perowskit. Die Topzelle verwertet blaue Lichtanteile, die Unterzelle wandelt rote und nahinfrarote Anteile in elektrischen Strom. Verschiedene Dünnschichten tragen dazu bei, das Licht optimal zu verwerten und elektrische Verluste zu minimieren. © Eike Köhnen/HZB

Photovoltaik-Tandemzelle mit 32,5 Prozent Wirkungsgrad.

Seit 2008 bin ich nun in der Solarbranche und schon mehr als einmal wurde über das Ende des Wirkungsgrades von Solarstromzellen orakelt. Konkret bei 20 Prozent, bei 25 Prozent und auch bei 30 Prozent gab es immer „Expert*innen“, die wussten – mehr ist nicht möglich.

Neuer Weltrekord

Jetzt titelt das Helmholtz-Zentrum in Berlin: „Wieder Weltrekord am HZB: Tandemsolarzelle schafft 32,5 Prozent Wirkungsgrad“. In der Praxis heißt das, dass eine solche Zelle ein Drittel des einfallenden Sonnenlichts in Strom umwandelt. Wie es das Forscherteam um Prof. Steve Albrecht genau geschafft hat, soviel Strom aus der Zelle zu holen, bleibt im Dunst der Verallgemeinerungen verborgen. Möglich ist dieser Wirkungsgrad mit  Perowskit/Silizium-Tandemsolarzellen durch verbesserte Perowskit-Verbindung und eine raffinierte Modifikation der Oberfläche. Die Postdocs Dr. Silvia Mariotti und Dr. Eike Köhnen haben eine Grenzflächenmodifikation entwickelt, bei der die Verluste der Ladungsrekombination weitgehend unterdrückt werden. Zuvor wurden spezielle Messmethoden angewendet, um die grundlegenden Prozesse in der Zelle besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse wurden erfolgreich in Tandemsolarzellen übertragen und durch Masterstudentin Lea Zimmermann mit optischen Verbesserungen kombiniert – teilt das Institut mit.

Britische Forscher waren  2021 ganz nah dran

Am 18. August 2021 berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk, dass Forscher aus Großbritannien ein Durchbruch beim Wirkungsgrad von Solarzellen gelungen sei. Durch die Kombination von Perowskit mit Silizium wandelten Zellen fast 30 Prozent der Sonnenenergie in elektrischen Strom um. Forscherinnen und Forscher der britischen Firma Oxford PV haben mit ihren neuen Solarzellen damals einen Wirkungsgrad von 29,52 Prozent erreicht – also fast 30 Prozent – und die sollten in die Produktion gehen.

Bedeutung in der Praxis

Natürlich sind die Werte des Helmholtz-Zentrum reine Laborwerte. Trotzdem ist klar, dass die Reise zu immer effizienteren Zellen und Modulen weiter gehen wird. Das bedeutet in der Praxis: mehr Strom von immer kleiner Flächen. Damit weniger Investitionskosten in Arbeit, Unterkonstruktion und Kabel.

Manfred Gorgus

Photovoltaik Zubau 2022 erreicht Spitzenwert

Photovoltaik Zubau 2022 erreicht Spitzenwert

Die Richtung stimmt

Deutschland ist bei der Energiewende auf einem guten Weg. Der Photovoltaik Zubau in Deutschland erreichte 2022 rund 6800 Megawatt. Damit wächst die PV-Leistung jährlich fast wieder in der Größe, die im Spitzenjahr 2012 erreicht wurde, bis die Kürzungen von FDP-Wirtschaftsminister Rößler Wirkung zeigten und die deutsche PV-Wirtschaft bis auf wenige Ausnahmen praktisch komplett zerstört wurde. Das Wachstum Erneuerbarer Energien und der Fortschritt der Energiewende sind abhängig vom politischen Umfeld – das sollten wir in der Branche nicht vergessen.

Aus der Geschichte lernen

Aktuell boomt die Branche, aber die nächste Wahl kommt. Deshalb ist gute Kommunikation jenseits von Argumenten und Zahlen ein wichtiges Instrument, um die Rolle der Erneuerbaren Energien in den Köpfen der Menschen zu zementieren. Es gibt noch immer Menschen, die eine Bombe anbeten – Klimawandel für Humbug halten und an die Unendlichkeit fossiler Brennstoffe glauben. Auch die gilt es wachzurütteln – im Interesse der Erneuerbaren Energien und der Zukunft unserer Kinder.

Grafik in Originalgröße ansehen:

M.Gorgus

Mehr Erneuerbare Energien in Bayern – endlich!

Mehr Erneuerbare Energien in Bayern – endlich!

Pressekonferenz der  bayerischen Regierung am 28.Juni 2022 ©

In der Kabinettssitzung vom 28. Juni 2022 hat die bayerische Regierung beschlossen den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen. Geplant ist eine zumindest teilweise Zurücknahme der 10-H Regel für Windkraftanlagen. Der Zubau von Photovoltaik auf staatlichen Dächern soll forciert werden – auch mit Beteiligung von privatem Kapital. In Zukunft soll es auch bei Gebäuden mit Denkmalschutz möglich sein, dies mit Photovoltaik auszustatten.

Bericht aus der Kabinettssitzung vom 28. Juni 2022

1. Verstärkter Ausbau der erneuerbaren Energien in Bayern / Kabinett bringt Anpassung der 10 H-Regelung auf den Weg / Ausschöpfung der Photovoltaik-Potenziale staatlicher Dächer

Der verstärkte Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein Eckpfeiler auf dem Weg zu einer nachhaltigen, klimafreundlichen, aber vor allem auch unabhängigen Energieversorgung der Zukunft. Daher hat der Ministerrat beschlossen:

1. Dem Ausbau der Windkraft in Bayern kommt dabei eine bedeutende Rolle zu. Mit der vorgesehenen Reform der 10 H-Regelung werden gezielte Erleichterungen zur Errichtung von Windrädern in Bayern eingeführt. In diesem Zusammenhang beschließt der Ministerrat:

  • Die Bayerische Bauordnung wird geändert. Es werden Ausnahmen von der 10 H-Regelung für nachfolgende Fallgruppen vorgesehen. In den von 10 H ausgenommenen Gebieten soll grundsätzlich ein Mindestabstand von 1.000 Metern von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung gelten, sofern die Wohnbebauung nicht ihrerseits nur ausnahmsweise baurechtlich zulässig ist:
  • Windenergieanlagen in Vorrang- und Vorbehaltsgebieten, die in einem Raumordnungsplan für die Windkraftnutzung festgesetzt sind. Raumordnungspläne sind das Landesentwicklungsprogramm und die Regionalpläne.
  • Windenergieanlagen, die in einem Abstand von bis zu 2.000 Metern um ein Gewerbe- oder Industriegebiet errichtet werden und bei denen der erzeugte Strom überwiegend zur Versorgung der in dem Gewerbe- oder Industriegebiet bestehenden Betriebe bestimmt ist.
  • Windenergieanlagen in vorbelasteten Gebieten längs von Haupteisenbahnstrecken, Autobahnen oder vier- oder mehrstreifigen Bundesstraßen in einem Korridor von 500 Metern zzgl. der geltenden Mindest- und Sicherheitsabstände.
  • Repowering, bei dem eine bestehende Windenergieanlage modernisiert oder ausgetauscht wird.
  • Windenergieanlagen, die auf militärischem Übungsgelände errichtet werden.
  • Windenergieanlagen, die im Wald errichtet werden, wenn von der Mitte des Mastfußes zum Waldrand mindestens ein Abstand eingehalten wird, der dem Radius des Rotors entspricht. Voraussetzung ist, dass der Wald bei Inkrafttreten des Gesetzes schon besteht.

Die Regionalen Planungsverbände werden in einem gesonderten Rechtsetzungsverfahren zur Änderung des Landesentwicklungsprogramms Bayern verpflichtet, ausreichende Flächen an Vorranggebieten für die Errichtung von Windenergieanlagen festzulegen.

  • Der Ministerrat begrüßt die Überlegungen des Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, den umfangreichen Windenergieerlass (BayWEE) mit seiner mehrjährigen Geltungsdauer zugunsten einer flexibleren und moderneren Themenplattform Windenergie im Internet abzulösen. Damit können für die Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen wichtige Regelungen sehr kurzfristig und dynamisch bei Gesetzesänderungen auf Bundes- und Landesebene aktualisiert und schnell und zeitgemäß digital bereitgestellt werden. Der Ministerrat beauftragt das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, unter Einbindung und mit Unterstützung aller fachlich für Themen der Windenergie zuständigen Ressorts die weiteren erforderlichen Schritte für die Einrichtung und Pflege einer Themenplattform Windenergie zur Ablösung des BayWEE in die Wege zu leiten.

2. Auch der Ausbau der Photovoltaik soll im „Sonnenland Bayern“ vorangetrieben werden. Die Ausschöpfung der Potenziale staatlicher Dächer leistet in diesem Zusammenhang einen unverzichtbaren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele der Bayerischen Staatsregierung und zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in Bayern. Neben der Errichtung in eigener Verantwortung stellt eine Beteiligung von privatem Kapital an der Errichtung oder dem Betrieb von PV-Anlagen auf staatlichen Dächern eine weitere Möglichkeit dar, den notwendigen Ausbau voranzubringen. Das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat aus den insgesamt 1.300 geeigneten Dachflächen solche identifiziert, auf denen bereits im Jahr 2022 im Zuge von Baumaßnahmen der Ressorts PV-Anlagen errichtet werden können. Zudem laufen die Arbeiten an passgenauen Ausschreibungspaketen für die Verpachtung von Dachflächen an Investoren.

3. Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung der Zukunft gilt es auch, die Möglichkeiten einer Nutzung erneuerbarer Energien im Denkmalbereich weiterzuentwickeln. Künftig sollen vor allem mehr PV-Anlagen auf Denkmälern ermöglicht und der Bau von Windenenergieanlagen in der Nähe von Denkmälern erleichtert werden:

  • Bei PV-Anlagen soll ein Stufenmodell je nach Einsehbarkeit zur Anwendung kommen: Bei nicht einsehbaren Flächen sollen demnach PV-Anlagen regelmäßig erlaubnisfähig sein. Bei einsehbaren Flächen sollen PV-Anlagen regelmäßig erlaubnisfähig sein, wenn sie mit dem Erscheinungsbild des Denkmals bzw. Ensembles vereinbar und bei Einzeldenkmälern ohne nachteilige Auswirkungen auf dessen Substanz sind. Soweit zusätzliche Kosten für denkmalverträgliche Lösungen entstehen, sollen diese im Rahmen einer möglichen Denkmalförderung anerkannt werden.
  • Bei Windenergieanlagen soll eine Prüfung der denkmalfachlichen Anliegen nur noch bei den bayernweit ca. 100 besonders landschaftsprägenden Denkmälern erfolgen; im Übrigen soll eine Erlaubnispflicht entfallen.

2. Bayern passt Klimaschutzgesetz an / Photovoltaik auf Dächern wird forciert / Ambitioniertes Klimaschutzprogramm

Bayern ist schon heute vom Klimawandel und seinen Folgen stark betroffen. Die Staatsregierung beschließt daher folgende Maßnahmen:

1. Die Staatsregierung ändert das Bayerische Klimaschutzgesetz:

  • Wesentlicher Aspekt bayerischer Klimapolitik ist die nachhaltige Begrenzung der Treibhausgasemissionen. Das Bayerische Klimaschutzgesetz sieht daher insbesondere vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 zunächst um mindestens 65 % gegenüber dem Stand von 1990 zu verringern. Danach will Bayern einen ehrgeizigeren Weg einschlagen als der Bund und bereits 2040 (statt 2045) Klimaneutralität erreichen. Mit diesem Ziel ist Bayern in Deutschland klimapolitischer Spitzenreiter.
  • Als Steuerungs- und Controlling-Instanz für ein klimaneutrales Bayern 2040 wird ein Koordinierungsstab „Klimaschutz“ eingerichtet.
  • Für die Staatsministerien selbst wird eine Klimaneutralität bereits bis zum Jahr 2023 angestrebt, für die unmittelbare Staatsverwaltung im Übrigen bis 2028. Durch die Anpassung der bayerischen Minderungsziele stellt sich der Freistaat seiner Verantwortung auch gegenüber den nachfolgenden Generationen und übernimmt eine Vorbildfunktion.
  • Im Zuge der Novellierung des Bayerischen Klimaschutzgesetzes wird die Bayerische Bauordnung geändert, um die Installation von Solaranlagen auf Dächern zu forcieren. Für neu errichtete Gewerbe- und Industriegebäude ist eine Solardachpflicht vorgesehen, wenn die vollständigen Bauvorlagen ab dem 1. Januar 2023 eingehen. Für sonstige Nicht-Wohngebäude tritt an die Stelle des 1. Januar 2023 der 1. Juli 2023. Für neu errichtete Wohngebäude ist eine Soll-Bestimmung im Sinn einer Empfehlung vorgesehen. Der Neuerrichtung des Gebäudes steht jeweils gleich, wenn die Dachhaut vollständig erneuert wird.
  • Die Möglichkeiten von Gemeinden, Landkreisen und Bezirken, Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien zu errichten und zu betrieben, werden gestärkt: Diese werden künftig nicht mehr auf den eigenen oder den örtlichen Bedarf beschränkt, sondern können Erneuerbare Energien künftig auch über den eigenen kommunalen Bedarf hinaus auslegen. Flankierend werden die Gemeinden, Landkreise und Bezirke auf ihrem Weg zur Klimaneutralität verstärkt durch die Staatsregierung unterstützt, etwa durch geeignete Förderprogramme und Beratungsangebote.
  • Es wird eine Bestimmung in das Bayerische Klimaschutzgesetz aufgenommen, nach der die Errichtung und der Betrieb von Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien sowie der dazugehörigen Nebenanlagen im überragenden öffentlichen Interesse liegt und der öffentlichen Sicherheit dient. Ziel ist, die erforderlichen Planungs- und Genehmigungsverfahren zu erleichtern, in dem die Bedeutung des Klimaschutzes im Rahmen der zu treffenden Abwägungsentscheidungen gestärkt wird.
  • Die staatlichen Moorflächen sollen im Sinne des Klimaschutzes bis 2040 bestmöglich erhalten, renaturiert und ggfs. genutzt werden.
  • Durch eine hochaufgelöste Energie- und Emissionsberichterstattung auf der Grundlage der durch die Bezirksschornsteinfeger erhobenen Kehrbuchdaten wird der Bedeutung der Gebäudesektors Rechnung getragen und die Datengrundlage dafür verbessert, Klimaschutzmaßnahmen in diesem Bereich zielgerichtet zu steuern.
  • Das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz wird beauftragt, den Ausgleich der Treibhausgas-Emissionen für die Staatsregierung ab dem Jahr 2023 für das jeweilige Vorjahr jährlich umzusetzen und zu dokumentieren. Zudem wird das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit der Definition von Qualitätskriterien für bayerische Ausgleichsmaßnahmen beauftragt. Die CO2-Kompensation ist aus den bestehenden Haushaltsansätzen zu finanzieren.

2. Der Ministerrat beschließt ein überarbeitetes Bayerisches Klimaschutzprogramm, mit dem die Ziele des neuen Bayerischen Klimaschutzgesetzes konkretisiert und umgesetzt werden.

Das Programm umfasst knapp 150 Maßnahmen und soll den bayerischen Klimaschutz in 5 wesentlichen Aktionsfeldern weiter stärken. Hierzu gehören beispielsweise ein beschleunigter Stromleitungsbau, eine stärkere Nutzung der dezentralen PV- und Windstromerzeugung sowie der Solarthermie, Geothermie und der Windenergie oder ein Ausbau der Wasserstoffnutzung. Bis 2030 sollen 70.000 Ladesäulen für E-Autos errichtet werden. Bei staatlichen Bauten legen wir einen Schwerpunkt auf das Bauen mit Holz, bringen Leuchtturmprojekte beim Urban Gardening auf staatlichen Flächen auf den Weg und setzen verstärkt auf Recycling-Baustoffe.

Zentrale Aktionsfelder sind:

  • Erneuerbare Energien und Stromversorgung.
  • Natürliche CO2-Speicherung (Wald, Moore, Wasser).
  • Klimabauen und Klimaarchitektur
  • Smarte und nachhaltige MobilitätCleanTech, Klimaforschung und Green IT

Das Klimaschutzprogramm basiert auf den drei bewährten Säulen der bayerischen Klimapolitik: Emissionsminderung, Klimawandelanpassung und Klimaforschung. Im Forschungsbereich wird aktuell die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze mit voraussichtlich über 8 Millionen Euro gestärkt. Damit ist Bayern weiterhin Spitzenreiter in der Umweltforschung bei der Erforschung des Klimas.

Alle Ressorts sind in diese Gemeinschaftsaufgabe eingebunden. Die jeweils verantwortlichen Ressorts sind aufgerufen, die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms zügig umzusetzen.
Zur Information der Öffentlichkeit wird die interministerielle Arbeitsgruppe „Klimaschutz“ eine zusammenfassende Broschüre zum Bayerischen Klimaschutzprogramm (2022) erarbeiten.

3. Krankenhäuser zählen zu den energieintensiven Einrichtungen und können durch entsprechende investive Maßnahmen einen wesentlichen und in der Öffentlichkeit wahrnehmbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Bereits 2011 wurde in Bayern das Green-Hospital-Konzept vorgestellt, im Rahmen dessen das Klinikum Lichtenfels als das erste Krankenhaus in Bayern und eines der ersten in Deutschland die Aspekte hochwertige Krankenhausversorgung, Umweltbelange und Wirtschaftlichkeit in Einklang gebracht hat. Insgesamt ist der Krankenhausbereich aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Investitionen in Klimaschutz gehen über Finanzierungsverpflichtung der Länder bei Krankenhaus-Baumaßnahmen hinaus, der Bund ist hier wesentlich gefordert. Der Freistaat wird daher einen Entschließungsantrag im Bundesrat einbringen, in dem der Bund aufgefordert werden soll, ein auf drei Jahre befristetes Förderprogramm mit einem Volumen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro, also jährlich 500 Millionen Euro, für die Förderung klimaschützender Investitionen an den Plankrankenhäusern und den Universitätsklinika aufzulegen.

4. Wetterextreme mit Starkregen und Sturzfluten unter anderem im Jahr 2021 in Mittelfranken und Oberbayern, aber auch die zunehmende Trockenheit der letzten Jahre nicht nur in Franken, haben die Notwendigkeit eines entschiedenen und koordinierten staatlichen Handelns zur Anpassung des Wassersektors an den Klimawandel bestätigt.

In diesem Zusammenhang setzt die Staatsregierung auf eine integrale Gesamtstrategie, die die Wasserversorgung, den Hochwasserschutz, Ökologie und die Erholungsfunktion zusammendenkt und miteinander verknüpft.

  • Der Ministerrat beschließt daher die neue Gesamtstrategie „Wasserzukunft Bayern 2050“ mit der Fortsetzung des Hochwasserschutzprogramms „PRO Gewässer 2030“ und dem Programm „Wassersicherheit 2050“. Hierzu gehören beispielsweise aktualisierte und beschleunigte Hochwasserschutzkonzepte, um durch technische Maßnahmen wie etwa dem Ausbau der Hochwasserschutzanlagen, der Anpassung der Hochwassergefahrenkarten oder dem Hochwasser-Check für Kommunen die Risiken durch Hochwasser- und Starkregenereignisse zu reduzieren. Auch eine nachhaltige ökologische Entwicklung der Gewässer und Auen gehört dazu, um deren Funktionsfähigkeit, Durchgängigkeit und Wasserhaushalt zu stärken und damit Belastungen etwa durch den Klimawandel besser begegnen zu können. Daneben werden geeignete Anpassungsmechanismen an Dürre und Trockenheit weiterentwickelt, z.B. durch Ertüchtigung der Fernwasserversorgung, Optimierung bestehender Speicher und des Überleitungssystems oder dem Bau nachhaltiger Bewässerungsinfrastrukturen. Daneben werden Gewässer, Natur und Landschaft aufgewertet sowie eine bessere Erlebbarkeit und mehr Akzeptanz für neue Maßnahmen geschaffen.
  • Das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz wird hier federführend die weitere Ausarbeitung des Programms „Wassersicherheit 2050“ zur Umsetzung zentraler Maßnahmen im Wasserbereich vorantreiben. Das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr wird den Handlungsbedarf und die Maßnahmenoptionen aus städtebaulicher Sicht bewerten und insbesondere für den Bereich „Schwammstadt“ Vorschläge vorlegen. Das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wird den Handlungsbedarf und die Maßnahmenoptionen aus landwirtschaftlicher Sicht weiterhin – wie bisher schon – laufend bewerten und insbesondere für den Bereich „Landschaftswasserhaushalt“ gegebenenfalls Vorschläge unterbreiten.

Die Original-Meldung finden Sie HIER.

Link zum Video der Pressekonferenz: https://youtu.be/YN2z-oJE1wg