Polnische Gasnetze – Biomethan im Fokus

Polnische Gasnetze – Biomethan im Fokus

Die polnischen Gasnetze sollen in Zukunft eine zentrale Rolle in der Energiewende des Landes einnehmen. Sie sollen neben Erdgas, auch zunehmend Biomethan transportieren. Um dies zu ermöglichen, sollen die Produktion von Biomethan gefördert, finanzielle Mittel bereitgestellt, und die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Biomethanproduktion geschaffen werden. Noch handelt es sich allerdings um eine Absichtserklärung. Wie Regierung und Versorger sich die Transformation vorstellen, lesen Sie hier.

Polska Spółka Gazownictwa (PSG) ist Polens größter Verteilnetzbetreiber, der mit über 210 000 km Leitungslänge einen entscheidenden Beitrag zur Energiesicherheit in Polen leistet. Das Unternehmen will in Zukunft den Einsatz von Biomethan forcieren, um seine Gasinfrastruktur für die polnische Energiewende zu transformieren. Das ist ein Ergebnis der 29. Aufladetechnischen Konferenz vom 23. bis 24. September 2025 in Dresden.

Biomethan als Zukunftsenergie

Der Anteil von Biomethan im Energiemix soll maximiert werden, da es laut PSG klimafreundlich und ressourcenschonend ist. Erste Biomethananlagen sollen bereits erfolgreich ans Netz gegangen sein und zeigen das Potenzial dieser Technologie auf.

Polens Energiestrategie und Gassektor

Die polnische Regierung plant, ihre Energiepolitik bis 2050 grundlegend zu verändern, wobei der Gassektor eine wichtige Rolle beim Übergang zur CO₂‑neutralen Energieproduktion spielen soll. Das Vorgehen bei der Dekarbonisierung soll dabei pragmatisch erfolgen, mit Fokus auf erschwingliche Energiepreise und schnelle Marktintegration von Biogas und Biomethan.

Finanzierung und Zusammenarbeit

Die Entwicklung des Biomethanmarktes soll durch gezielte finanzielle Unterstützung gefördert werden, unter anderem durch Darlehen von Banken und den polnischen Entwicklungsfonds. Die Vernetzung von Forschung, Industrie und Politik soll den Aufbau von Kapazitäten für Produktion, Netzanschluss und Verteilung fördern.

Herausforderungen und Perspektiven

Neben technischen Herausforderungen bei Netzanbindung und Systemregulierung liegt ein Schwerpunkt auf dem Ausbau der Infrastruktur und der Schaffung marktgerechter Rahmenbedingungen. PSG sieht seine Aufgabe darin, die Versorgungssicherheit von Bevölkerung und Wirtschaft zu gewährleisten und die Rolle von Biomethan im Energiemix zu stärken.

Fazit

PSG soll als Schlüsselakteur der polnischen Energiewende mit der Förderung von Biomethan zur nachhaltigen Transformation des Energiesystems beitragen. Mit Geld, optimierten Rahmenbedingungen sowie politischer Unterstützung will Polen bis 2050 eine klimafreundliche und sichere Energieversorgung erreichen. Allerdings ist das Thema Biomethan ebenso wie Biogas noch schwierig, weil es aktuell noch keine zuverlässigen Rahmenbedingungen dafür gibt. Das war das Fazit der ersten Biogasmesse Polens vom 30. September bis 02. Oktober 2025. (mg)

Erste polnische Biogasmesse setzt Impulse

Erste polnische Biogasmesse setzt Impulse

Landwirtschaftliche Biogasanlage mit PV ©m.gorgus

Premiere in Warschau: Biogasmesse BioPower zeigt Potenzial für Polens Energiewende und neue Wachstumschancen für die Landwirtschaft. Biogas und Biomethan als Schlüsselfaktoren für Energiewende und Energiesicherheit.

Vom 30.September bis 2. Oktober 2025 fand im Ptak Warsaw Expo nahe Warschau die erste polnische Fachmesse BioPower Poland statt, begleitet von der 7. Biogas- und Biomethankonferenz Green Gas Poland 2025.

Premiere mit Signalwirkung

Die Messe zog Dutzende Aussteller und Hunderte Besucher an. Experten betonten, dass Biogas und Biomethan die Energiewende beschleunigen, ländliche Regionen stärket und Polens Energiesicherheit steigert. Landwirtschaft sei dabei die wichtigste Rohstoffquelle.

200 Anlagen sind zu wenig

Aktuell gibt es in Polen weniger als 200 landwirtschaftliche Biogasanlagen und nur eine Biomethananlage. Fehlende Förderung, komplexe Vorschriften und Finanzierungslücken bremsen den Ausbau. Diskutiert wurden „Energieinseln in der Landwirtschaft“. Dafür müssten aber zuverlässige Regeln vorhanden sein sowie bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Potenzial Biomethan

Studien zeigten im Land ein technisches Potenzial zur Produktion von bis zu 7 bis 8 Milliarden Kubikmetern Biomethan pro Jahr. Entscheidend sei jedoch, die Nachfrage zu fördern und klare Marktziele festzulegen. Experten warnten, ohne gezielte Regulierung und Förderung könnte der Sektor nicht ausgebaut werden und das Wachstum würde stagnieren.

Biogas, Schlüssel zur Dekarbonisierung

Landwirte und Lebensmittelproduzenten sehen Biogas als Schlüssel zur Dekarbonisierung. Durch die Verwertung von Agrar- und Lebensmittelabfällen würden Chancen für klimafreundliche Energie entstehen. Auch kleinere Betriebe könnten profitieren, wenn sie z. B. in Energiegenossenschaften kooperieren.

Investition bleibt riskant

Die Finanzierung von Anlagen bleibt das größte Hindernis. Banken und EU-Förderprogramme könnten beim Ausbau der Biogasproduktion helfen, aber ohne staatliche Garantien und verlässliche Einspeisetarife bleiben Investitionen äußerst riskant. Deshalb forderten Experten klare gesetzliche Vorgaben und Anreize entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Biogasproduktion.

Fazit

Die erste BioPower Poland hat gezeigt, dass das Land über enormes Biogas- und Biomethanpotenzial verfügt. Damit es genutzt wird, braucht es politische Stabilität, Marktregeln und gesellschaftliche Akzeptanz. Nur so kann diese grüne Energie zu einem Motor der polnischen Energiewende werden. (mg)

Bio-Batterie aus Vitamin B2 und Aminosäure

Bio-Batterie aus Vitamin B2 und Aminosäure

Forscher der Texas A&M University entwickeln eine biologisch abbaubare Batterie aus natürlichen Inhaltsstoffen – eine mögliche Alternative zur Lithium-Ionen-Technologie.

Energiespeicher aus körpereigenen Bausteinen

Das Team um Chemieprofessorin Karen Wooley und Ingenieurin Jodie Lutkenhaus stellte ein neuartiges Batteriematerial aus Riboflavin (Vitamin B2) und der Aminosäure L-Glutaminsäure vor. Die Ergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Abbaubar und ungiftig

Im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien aus Metallen und Petrochemikalien baut sich das neue Material bei Kontakt mit Wasser oder Enzymen umweltfreundlich ab. Labortests zeigten zudem, dass es für Zellen unschädlich ist – ein Vorteil etwa für tragbare oder implantierbare Geräte.

Nachhaltigkeit ohne Leistungseinbußen

Die Forscher betonen, dass ihre Bio-Batterie ähnlich leistungsfähig sei wie aufwendig synthetisierte Materialien. „Man muss nicht zwischen Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit wählen“, sagt Lutkenhaus.

Baustein für Kreislaufwirtschaft

Das Projekt gilt als Schritt zu einem Batteriedesign, das von Anfang an das Lebensende der Produkte mitdenkt. Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Batterien nicht zu Sondermüll mutieren, sondern unkompliziert in natürliche Kreisläufe zurückkehren.

Sicherheit und Akzeptanz

In Deutschland dürfte diese Art der Speichertechnik großen Zuspruch erfahren. Immerhin gelten Vitamine als gesund, und sind sogar in der Apotheke als OTC- (Over-the-Counter‑)Ware rezeptfrei erhältlich. Allerdings verrät der Artikel der Universität nicht, ab wann diese Speichertechnik für Battery-Energy-Storage-Systems (BESS)zur Verfügung steht. Die Akzeptanz für diese vielversprechende Technik dürfte groß sein. Es wird wenig Menschen geben, die sich über Vitamin B im Megawattstundenformat in ihrer Nachbarschaft beschweren dürften. (mg)

Warnung vor Finanzierungslücke bei Wärmewende

Warnung vor Finanzierungslücke bei Wärmewende

Schönes Gründerzeitgebäude im bayerischen Arzberg mit Vollziegelmauerwerk. © m.gorgus

Der Haushaltsentwurf 2026 sieht mehr Mittel für Wärmenetze vor. Der BDEW warnt jedoch: Für die Wärmewende reicht die Finanzierung nicht aus.

Geld für Wärmenetze nicht ausreichend

Die BEW-Mittel sollen 2026 auf 1,4 Milliarden Euro steigen. Der BDEW fordert jedoch jährlich mindestens 3,5 Milliarden Euro, ab 2028 sogar bis zu 4,5 Milliarden Euro.

Finanzierung im Kernhaushalt statt Sondervermögen

Um Planungssicherheit zu gewährleisten, verlangt der Verband, die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) aus dem Klima- und Transformationsfonds in den Kernhaushalt zu überführen

Kürzungen bei Gebäudeförderung kritisiert

Die Mittel für Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) sinken von 15,3 auf gut 12 Milliarden Euro. Laut BDEW ist das ein falsches Signal an Hauseigentümer. Effizienz und Dekarbonisierung müssten besser kombiniert werden

Klare Rahmenbedingungen gefordert

BDEW-Chefin Kerstin Andreae betont, dass verlässliche Finanzierung und klare Regeln – etwa beim Gebäudeenergiegesetz – Voraussetzung für Investitionen in die Wärmewende sind

Falsche Signale

Weniger Geld für Gebäude im Rahmen der Wärmewende ist das falsche Signal. Wer fossile Energien im Wärmesektor reduzieren und Deutschlands Unabhängigkeit von Brennstoffimporten stärken will, muss verständliche und leicht zugängliche Fördermaßnahmen anbieten. Bei einer Förderung von maximal 20 % für Einzelmaßnahmen wie z.B. die Dämmung einer oberen Geschoßdecke, motiviert das kaum zum Handeln. Hinzu kommt, dass ein komplexer Sanierungsfahrplan viele Hauseigentümer abschreckt – so bleiben wichtige Investitionen häufig aus. (mg)

Andreas Zyber of Quantumsolarpv: „Quality service and flexibility pay off in a tough market“

Andreas Zyber of Quantumsolarpv: „Quality service and flexibility pay off in a tough market“

A.Zyber of Quantumsolaepv ©Quantumsolaepv

Andreas Zyber has been working for various German companies in the Polish PV industry since 2011. Since 2022 he has been managing director of Quantumsolarpv GmbH, the German branch of a Polish PV wholesaler that is growing across Europe even in turbulent times. In our interview he reveals the secret of success in difficult times.

How did you get into photovoltaics?

By a roundabout route. I studied mechanical engineering in Poland and obtained an engineering degree there. I then studied business administration in Germany and graduated with a business degree. After managing business with Poland for a German commercial vehicle manufacturer for years, I decided to switch to the photovoltaics industry in 2011.

What motivated you to change?

A mixture of desire to build something new and enthusiasm for the technology. I was especially excited about photovoltaics because of its possibility to generate clean electricity for decades with comparatively small investments.

How would you describe your role in the Polish PV industry?

I come from the sales of commercial vehicles. These are technical products that require explanation. I have taken my experience into the PV industry and describe my first years in the industry as ambassador work for German photovoltaic technology in Poland where I succeeded in establishing partnerships for German companies in Poland. Some of the companies I worked for have received awards for their solutions and technologies in Poland.

If you could enter the industry again, would you do everything the same?

In 2011, the PV industry in Poland was just beginning. I am a B2B salesperson and have continued this work in the PV industry. If I could turn back time, I would personally invest in the production of PV components with German quality standards in Poland. 

How can you best describe your current tasks in the market?

While I previously worked practically only for German companies in the Polish market, my job today is communication in both directions: selling products and services from Polish companies to the European market and products from European companies to the Polish PV market.

What products and services do you offer?

Our focus is on complete PV solutions, from small roof systems to system providers for large PV projects, roof systems and open space systems for customers in Poland and German-speaking Europe, i.e. Germany, Austria and Switzerland.

2023 seems to have been a difficult year for many Polish wholesalers. Was it also for your company?

A clear no. Our warehouse, marketing and logistics is based in Poland. Our German branch is located near Munich. From there we primarily serve customers in the DACH region and other Western European countries. Throughout Europe we deliver within 24 hours if the components are in stock. Our team is lean and all employees have experience in the photovoltaics industry. We work with flat hierarchies, which makes us fast and flexible. We think from the customer’s perspective and talk to the customer. The market seems to appreciate that.

How does the Polish PV market differ from other markets?

In my experience, price plays a bigger role in Poland than in Austria, Germany and Switzerland. We can offer reasonable prices, but as a young company we have to convince in all areas: fast and reliable delivery, good advice, attractive prices and flexibility when the customer is asking for changes in the order.

What developments do you see in the Polish PV industry for the next 6 months to 2 years?

The PV industry in Poland has developed into a stable market in recent years. Following the change of government, the PV industry will now receive billions in EU funds. This is one of many subsidies that Poland is expected to receive. This will lead to a further increase in PV installations in the country. Due to the outdated Polish power grid and its time-consuming upgrading, electricity storage will be an increasingly interesting investment in the next 12 to 24 months. 

Interview conducted by Manfred Gorgus