Gas wird nach Ansicht von Fachleuten eine zentrale Rolle in der polnischen Energiewende spielen.
Bei einer Debatte unter dem Titel „Polens Energiezukunft und die Rolle von Gas“ am Dienstag dem vierten November im Pressezentrum der Polnischen Nachrichtenagentur PAP betonten Vertreter von Regierung und Energiewirtschaft, dass Gas zum einen Übergangsbrennstoff sei, zum anderen auch Stabilisator des Energiesystems sei.
Gas – Kernkraft – erneuerbare Energien
Vertreter des Energieministeriums erklärten, dass Polen sich in einer Phase der Transformation befinde. Derzeit arbeite man am Nationalen Energie- und Klimaplan, der die Ziele für 2030 und 2050 festlege. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien und der Vorbereitung des ersten polnischen Kernkraftwerks spiele Gas eine wichtige Rolle, um die Versorgung in der Übergangszeit – bis zu 100 % Erneuerbare und Kernkraft – zu sichern und die Abhängigkeit von Importen vor allem aus dem Osten zu verringern. Das Ministerium plant, bis Ende des Jahres ein Strategiepapier fertigzustellen, das die Grundlage für Maßnahmen zur Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit schaffen soll..
Energieunternehmen mit konkreten Plänen
Der staatlich kontrollierte Energiekonzern PKN ORLEN S.A. (ORLEN) plant, bis 2035 Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 4,3 GW zu errichten. Weitere 12,8 GW aus erneuerbaren Quellen sollen bis dahin fertiggestellt sein. TAURON Polska Energia S.A. (TAURON) arbeitet an Wasserstoffprojekten. Dalkia Polska, die polnische Tochtergesellschaft des französischen Energiekonzerns EDF (Électricité de France), ist auf Fernwärme, Energieeffizienz und lokale Energielösungen spezialisiert und setzt für die Zukunft auf eine Kombination aus Gas, Biomasse und Wärmepumpen.
Gas nur als Brücke
Die Experten waren sich einig, dass Gas in den kommenden Jahren eine Brückenfunktion übernehmen wird. Gaskraftwerke gelten als vergleichsweise saubere Energiequelle, die Polen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieerzeugung eine stabile Stromproduktion in einem zunehmend volatilen Energiemarkt gewährleisten soll. Sollte das polnische Kernkraftwerk gebaut und an das Netz gehen, könnte es die stabile Komponente in der künftigen Energieerzeugung darstellen. (mg)
RWE baut in Gundremmingen einen Batteriespeicher mit 400 Megawatt Leistung und einer Speicherkapazität von 700 Megawattstunden. Der neue Großspeicher nutzt die Netz-Infrastruktur des ehemaligen Kernkraftwerks, was großer Vorteil bei der Umsetzung des Speicherprojektes sein dürfte.
Das Unternehmen investiert rund 230 Millionen Euro in das Projekt. Der Baustart wurde am 29. Oktober 2025 mit einem symbolischen Spatenstich im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und RWE-Vorstandschefs Markus Krebber offiziell eingeleitet.
RWE plant, die Inbetriebnahme des Batteriespeichers Anfang 2028 abzuschließen. Nach Fertigstellung soll die Anlage dazu beitragen, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Dafür werden rund 200 Container mit etwa 850.000 Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen installiert. Der Speicher wird Strom für knapp zwei Stunden mit voller Leistung abgeben können.
Integrationspartner ist H&MV Engineering, ein Unternehmen mit über 1450 Angestellten, das nicht nur im Bereich der erneuerbaren Energien, sondern auch als Energieversorgungsunternehmen und mit Datenzentren unterwegs ist. Durch die Übernahme der Skanstec Gruppe Anfang 2024 hat H&MV Engineering ist ein europaweit führender Anbieter von spezialisierten Planungs-, Ingenieur- und Baudienstleistungen mit 400 Mio. € Umsatz mit 22 Standorten im EMEA-Raum entstanden.
Auf dem Gelände in Gundremmingen sind laut RWE weitere Energieprojekte vorgesehen, darunter ein Solarpark und ein neues Gaskraftwerk. Der Solarpark darf als Ergänzung zum Großspeicher verstanden werden. Das Gaskraftwerk wird fossile Brennstoffe nutzen und ist technisch als Backup für erneuerbare Energien gedacht. (mg)
Die polnischen Gasnetze sollen in Zukunft eine zentrale Rolle in der Energiewende des Landes einnehmen. Sie sollen neben Erdgas, auch zunehmend Biomethan transportieren. Um dies zu ermöglichen, sollen die Produktion von Biomethan gefördert, finanzielle Mittel bereitgestellt, und die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Biomethanproduktion geschaffen werden. Noch handelt es sich allerdings um eine Absichtserklärung. Wie Regierung und Versorger sich die Transformation vorstellen, lesen Sie hier.
Polska Spółka Gazownictwa (PSG) ist Polens größter Verteilnetzbetreiber, der mit über 210 000 km Leitungslänge einen entscheidenden Beitrag zur Energiesicherheit in Polen leistet. Das Unternehmen will in Zukunft den Einsatz von Biomethan forcieren, um seine Gasinfrastruktur für die polnische Energiewende zu transformieren. Das ist ein Ergebnis der 29. Aufladetechnischen Konferenz vom 23. bis 24. September 2025 in Dresden.
Biomethan als Zukunftsenergie
Der Anteil von Biomethan im Energiemix soll maximiert werden, da es laut PSG klimafreundlich und ressourcenschonend ist. Erste Biomethananlagen sollen bereits erfolgreich ans Netz gegangen sein und zeigen das Potenzial dieser Technologie auf.
Polens Energiestrategie und Gassektor
Die polnische Regierung plant, ihre Energiepolitik bis 2050 grundlegend zu verändern, wobei der Gassektor eine wichtige Rolle beim Übergang zur CO₂‑neutralen Energieproduktion spielen soll. Das Vorgehen bei der Dekarbonisierung soll dabei pragmatisch erfolgen, mit Fokus auf erschwingliche Energiepreise und schnelle Marktintegration von Biogas und Biomethan.
Finanzierung und Zusammenarbeit
Die Entwicklung des Biomethanmarktes soll durch gezielte finanzielle Unterstützung gefördert werden, unter anderem durch Darlehen von Banken und den polnischen Entwicklungsfonds. Die Vernetzung von Forschung, Industrie und Politik soll den Aufbau von Kapazitäten für Produktion, Netzanschluss und Verteilung fördern.
Herausforderungen und Perspektiven
Neben technischen Herausforderungen bei Netzanbindung und Systemregulierung liegt ein Schwerpunkt auf dem Ausbau der Infrastruktur und der Schaffung marktgerechter Rahmenbedingungen. PSG sieht seine Aufgabe darin, die Versorgungssicherheit von Bevölkerung und Wirtschaft zu gewährleisten und die Rolle von Biomethan im Energiemix zu stärken.
Fazit
PSG soll als Schlüsselakteur der polnischen Energiewende mit der Förderung von Biomethan zur nachhaltigen Transformation des Energiesystems beitragen. Mit Geld, optimierten Rahmenbedingungen sowie politischer Unterstützung will Polen bis 2050 eine klimafreundliche und sichere Energieversorgung erreichen. Allerdings ist das Thema Biomethan ebenso wie Biogas noch schwierig, weil es aktuell noch keine zuverlässigen Rahmenbedingungen dafür gibt. Das war das Fazit der ersten Biogasmesse Polens vom 30. September bis 02. Oktober 2025. (mg)
Premiere in Warschau: Biogasmesse BioPower zeigt Potenzial für Polens Energiewende und neue Wachstumschancen für die Landwirtschaft. Biogas und Biomethan als Schlüsselfaktoren für Energiewende und Energiesicherheit.
Vom 30.September bis 2. Oktober 2025 fand im Ptak Warsaw Expo nahe Warschau die erste polnische Fachmesse BioPower Poland statt, begleitet von der 7. Biogas- und Biomethankonferenz Green Gas Poland 2025.
Premiere mit Signalwirkung
Die Messe zog Dutzende Aussteller und Hunderte Besucher an. Experten betonten, dass Biogas und Biomethan die Energiewende beschleunigen, ländliche Regionen stärket und Polens Energiesicherheit steigert. Landwirtschaft sei dabei die wichtigste Rohstoffquelle.
200 Anlagen sind zu wenig
Aktuell gibt es in Polen weniger als 200 landwirtschaftliche Biogasanlagen und nur eine Biomethananlage. Fehlende Förderung, komplexe Vorschriften und Finanzierungslücken bremsen den Ausbau. Diskutiert wurden „Energieinseln in der Landwirtschaft“. Dafür müssten aber zuverlässige Regeln vorhanden sein sowie bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Potenzial Biomethan
Studien zeigten im Land ein technisches Potenzial zur Produktion von bis zu 7 bis 8 Milliarden Kubikmetern Biomethan pro Jahr. Entscheidend sei jedoch, die Nachfrage zu fördern und klare Marktziele festzulegen. Experten warnten, ohne gezielte Regulierung und Förderung könnte der Sektor nicht ausgebaut werden und das Wachstum würde stagnieren.
Biogas, Schlüssel zur Dekarbonisierung
Landwirte und Lebensmittelproduzenten sehen Biogas als Schlüssel zur Dekarbonisierung. Durch die Verwertung von Agrar- und Lebensmittelabfällen würden Chancen für klimafreundliche Energie entstehen. Auch kleinere Betriebe könnten profitieren, wenn sie z. B. in Energiegenossenschaften kooperieren.
Investition bleibt riskant
Die Finanzierung von Anlagen bleibt das größte Hindernis. Banken und EU-Förderprogramme könnten beim Ausbau der Biogasproduktion helfen, aber ohne staatliche Garantien und verlässliche Einspeisetarife bleiben Investitionen äußerst riskant. Deshalb forderten Experten klare gesetzliche Vorgaben und Anreize entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Biogasproduktion.
Fazit
Die erste BioPower Poland hat gezeigt, dass das Land über enormes Biogas- und Biomethanpotenzial verfügt. Damit es genutzt wird, braucht es politische Stabilität, Marktregeln und gesellschaftliche Akzeptanz. Nur so kann diese grüne Energie zu einem Motor der polnischen Energiewende werden. (mg)
Forscher der Texas A&M University entwickeln eine biologisch abbaubare Batterie aus natürlichen Inhaltsstoffen – eine mögliche Alternative zur Lithium-Ionen-Technologie.
Energiespeicher aus körpereigenen Bausteinen
Das Team um Chemieprofessorin Karen Wooley und Ingenieurin Jodie Lutkenhaus stellte ein neuartiges Batteriematerial aus Riboflavin (Vitamin B2) und der Aminosäure L-Glutaminsäure vor. Die Ergebnisse wurden in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.
Abbaubar und ungiftig
Im Gegensatz zu herkömmlichen Batterien aus Metallen und Petrochemikalien baut sich das neue Material bei Kontakt mit Wasser oder Enzymen umweltfreundlich ab. Labortests zeigten zudem, dass es für Zellen unschädlich ist – ein Vorteil etwa für tragbare oder implantierbare Geräte.
Nachhaltigkeit ohne Leistungseinbußen
Die Forscher betonen, dass ihre Bio-Batterie ähnlich leistungsfähig sei wie aufwendig synthetisierte Materialien. „Man muss nicht zwischen Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit wählen“, sagt Lutkenhaus.
Baustein für Kreislaufwirtschaft
Das Projekt gilt als Schritt zu einem Batteriedesign, das von Anfang an das Lebensende der Produkte mitdenkt. Ziel ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Batterien nicht zu Sondermüll mutieren, sondern unkompliziert in natürliche Kreisläufe zurückkehren.
Sicherheit und Akzeptanz
In Deutschland dürfte diese Art der Speichertechnik großen Zuspruch erfahren. Immerhin gelten Vitamine als gesund, und sind sogar in der Apotheke als OTC- (Over-the-Counter‑)Ware rezeptfrei erhältlich. Allerdings verrät der Artikel der Universität nicht, ab wann diese Speichertechnik für Battery-Energy-Storage-Systems (BESS)zur Verfügung steht. Die Akzeptanz für diese vielversprechende Technik dürfte groß sein. Es wird wenig Menschen geben, die sich über Vitamin B im Megawattstundenformat in ihrer Nachbarschaft beschweren dürften. (mg)