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04.09.2018

Schleppender Netzausbau kein Grund die Erneuerbaren Energien auszubremsen

Mitte August hatte Bundeswirtschaftsminister Altmaier seinen „Aktionsplan Stromnetz“ vorgestellt denn der Netzausbau in Deutschland hinkt dem Zeitplan hinterher. Ärgerlich auch, dass die Bundesregierung den Ausbau der Erneuerbaren Energien an den Netzausbau koppelt und in diesem Zusammenhang den Einspeisevorrang Erneuerbarer Energien prüft.

Umspannwerk bei Kirchheimbolanden ©SOLAR-professionell

Einspeisevorrang für Erneuerbare auf dem Prüfstand!

Laut einer Mitteilung der Agentur für Erneuerbare Energien prüft die Bundesregierung, in wie weit die derzeitigen Engpässe im Stromnetz auch als Argument zur Relativierung des Einspeisevorrangs für Erneuerbare Energien dienen können. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Laut einer Studie der Gutachter Consentec, bbh und Ecofys im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums lassen sich durch moderate Relativierung des Einspeisevorrangs für Erneuerbare Energien und KWK-Anlagen im Netzengpassmanagement Netzengpasskosten einsparen.

Die Bundesregierung prüft derzeit, ob und gegebenenfalls wie die Vorschläge aus der Studie umgesetzt werden können.   

Bundesregierung als Märchentante

Der Bund Naturschutz Deutschland reagiert verärgert: „Statt die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen für die Erneuerbaren Energien endlich umzusetzen hat Wirtschaftsminister Altmaier seinen „Aktionsplan Stromnetz“ vorgestellt. Es gibt keinen Grund mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auf den Ausbau der Stromnetze zu warten. Wenn die Bundesregierung dies behauptet, erzählt sie der Bevölkerung ein Sommermärchen."

Die Lösung

Um den weiteren zügigen Ausbau von Wind- und Sonnenenergie zu ermöglichen, müssen die bestehenden Netze optimiert werden. Die entsprechenden Pläne in dem Aktionsplan dazu sind ein erster Schritt.Das Festhalten an der bisherigen überzogenen Stromnetzausbauplanung kritisieren wir. Die bestehende Netzausbauplanung dient im Wesentlichen den wirtschaftlichen Interessen der Übertragungsnetzbetreiber. Immer mehr wissenschaftliche Studien halten zudem den bisherigen Netzausbau für deutlich überzogen. Intelligentere und dezentralere Alternativen werden derzeit nicht ausreichend geprüft. Dies muss sich schnell ändern, meldet der Bund Naturschutz Deutschland.

Transparenz und Bürgernähe

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt Altmaiers Aktionsplan, fordert aber Mitbestimmung und Transparenz und bleibt in ihren Aussagen allgemein: "Optimierung und Ausbau der Stromnetze sind wichtige Säulen für Energiewende und Klimaschutz – Deutsche Umwelthilfe fordert Beteiligung von Umwelt- und Verbraucherverbänden bei der Ausgestaltung der vorgesehenen Maßnahmen – Transparenz und Bürgerbeteiligung müssen wichtige Prämissen bleiben."

Die Energiewende ist dezentral

Wir sind der Meinung, dass die Energiewende nicht nur ein Umstieg von fossiler auf Erneuerbare Energien ist, sondern auch ein Umstieg von einer zentralen Versorgung, auf eine dezentrale. Viele kleine Kraftwerke, Stromspeicher und Verteilernetze, die Strom intelligent verteilen und transportieren. Die Idee Wind im Norden, Sonne im Süden ist zu kurz gedacht. Noch sind viele Dachflächen ohne Photovoltaik, Stromspeicher, KWK und Brennstoffzellen gehören noch lange nicht zur gRundausstattung von Gebäuden, sondern sind erklärungsbedürftige Gebäudetechnik, die intensiv vorgestellt und verkauft werden muss. 

In der Bundesregierung ist das Thema dezentrale Energieversorgung nicht gesetzt - und wird es vielleicht auch nie. Die Bevölkerung aber handelt, sie kauft Photovoltaik und Stromspeicher, jedes Förderprogramm generiert eine gewaltige Nachfrage. Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, überall sind die Förderbudgets durch eine enorme Nachfrage schneller ausgeschöpft als von den Initiatoren erwartet. Baden-Württemberg hat sein Förderprogramm gerade vervierfacht um die Nachfrage zu befriedigen. Manfred Gorgus