Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

16.06.2017

Wo sind die "Grünen" - wo sind sie geblieben?

1985 kam es in Hessen zur Bildung der ersten rot-grünen Landesregierung unter Ministerpräsident Holger Börner. In diesem Kabinett wurde Fischer Staatsminister für Umwelt und Energie. Bereits seine Vereidigung sorgte für Aufsehen, da er in grobem Jackett und Turnschuhen erschien (Wikipedia). Heute ist Grün angepasst, statisch ohne Profil, vielleicht überholt? Wo sind die klaren, lauten Statements zu Erneuerbaren Energien, wo sind sie - die Vordenker beim Umbau des Energiesystems ?

Joschka Fischer am 17.2.1983 auf der Pressekonferenz der "Grünen"

Joschka Fischer am 17.2.1983 auf der Pressekonferenz der "Grünen"(zur Bundestagswahl am 6.3.1983) ©Schaack /Bundesarchiv/Wikipedia

Hans Josef Fell verkündet: Deutschland braucht die Grünen – jetzt!

In seinem letzten Rundbreif wettert er gegen die Bundesregierung und kämpft für die "Grünen", für die er selbst mal im Bundestag war, bis er nicht mehr wiedergewählt wurde. Fell kritisiert hart:

Seit mindestens fünf Jahren stoppt der Ausbau der Energiewende. Die große Koalition ist zu feige, um ein Kohle-Ausstiegs-Gesetz zu beschließen. Seit fünf Jahren in Folge sind deshalb die Treibhausgase hierzulande kaum noch gesunken, 2016 sogar leicht gestiegen.

Die Regierungen in Island und Costa Rica geben bekannt, dass ihre Länder den notwendigen Umstieg auf 100% erneuerbare Energien geschafft oder schon in wenigen Jahren geschafft haben: Island überwiegend mit Geothermie und Costa Rica mit Wasserkraft, Windenergie und der Sonnenenergie. Schwedens Regierung ist überzeugt, die 100- prozentige Energiewende bis 2040 zu schaffen, hat soeben Schwedens Energieminister Ibrahim Baylan auf der Weltwindkonferenz in Malmö betont.

Und Deutschland, das angebliche Musterland der Energiewende?

Der US-Energieminister – ein Klimawandel-Leugner - macht sich deshalb zurecht über die deutschen „Klima-Heuchler“ lustig. Peinlich für ein Land, dessen Parlament im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz beschloss und damit die Voraussetzung schuf, den Preis für Solarstrom seither um über 90% zu senken.

Dieses „Preis-Wunder“ ist das größte Entwicklungsgeschenk, das Deutschland den Armen unserer Welt je gemacht hat. Solarstrom ist Sozialstrom, der heute in armen, aber sonnenreichen Ländern bereits für unter drei Cent je Kilowattstunde produziert werden kann.

Die Regierungen der Milliarden-Völker China und Indien kommen zurzeit mit der Energiewende schneller voran als Deutschland oder die EU. Das zeigt, dass die Energiewende hauptsächlich eine Frage des politischen Willens ist.

Aber stehen die Grünen 2017 noch für Erneuerbare Energien, wofür stehen sie überhaupt, hat Grün (noch) ein Format?

Die Grünen waren Rebellion und  Aufreger für´s Establishment.  Als Joscha Fscher 1985 in Turnschuhen zur Vereidigung als hessischer Minister erschien. Damals, vor 30 Jahren, war Grün gleich Revolution, heute hat Grün keine Farbe mehr, die Energiewende ist gesetzt und Erneuerbare Energien gehören zum Energie-Alltag - zumindest in der Theorie.

Erneuerbare nach Vorne bringen, die Energiewende vorausdenken und die grüne Industrie unterstützen, nachhaltig, sozial und intelligent, das ist die Aufgabe der Grünen. 2012 bis 2014 hat die Partei dabei kläglich versagt, sie haben den Niedergang der deutschen Solarbranche noch nicht mal mitbekommen. 30.000 Arbeitsplätze in der Solarindustrie weg, das sind auch ganz schnell 30.000 Wähler weniger.

Nichts für ungut liebe Grünen, aber grüne Politik ist in erster Linie Energiepolitik, dann soziale Politik und zu guter Letzt Nachhaltigkeit. Und da hilft kein 10 Punkte Programm das Herr Fell in seinem Rundschreiben zelebriert, erwartet wird Engagement und Kampfgeist. Letzterer wird immer noch benötigt, auch wenn die Energiewende in Deutschland gesetzt scheint.

Manfred Gorgus

Auszüge: Rundbrief  Fell