Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

18.03.2016

Von Apotheken, Medikamenten und dem Ausbau öffentlicher Ladestationen

Die Zahl der Elektrofahrzeuge in Deutschland nimmt zu, die der öffentlichen Ladestationen nicht - zumindest nicht mit der gleichen Dynamik. Im Dezember 2014 waren gerade mal 26.000 Elektroautos registriert, ein Jahr später waren es fast 50.000, eine Steigerung von 48 Prozent. Die Zahl der Ladestationen ist im gleichen Zeitraum um gerade mal 4,5 Prozent angestiegen, auf 5836. Für wen ist das relevant?

Intersolar 2015:Schnittige Elektroflitzer mit Bärenleistung, aber gebremster Reichweite durch ein öffentliche Ladesäuleninfrastruktur, deren Ladepunkte Strom in homöopathischen Dosen abgeben

Schnittige Elektroflitzer mit Bärenleistung, aber gebremster Reichweite durch ein öffentliche Ladesäuleninfrastruktur, deren Ladepunkte Strom in homöopathischen Dosen abgeben ©Manfred Gorgus

5.836 öffentlich zugängliche Ladestationen für E-Autos standen im Dezember 2015 in der Bundesrepublik zur Verfügung, lediglich 265 mehr als noch zur Jahresmitte 2015. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Erhebung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, BDEW. Damit ist es ungefähr vier mal schwerer eine Ladesäule in Deutschland zu finden als ein Medikament auf Rezept in einer Apotheke zu bekommen, denn davon gibt es über 20.000 in Deutschland. 

Die Frage ist doch, wie wird ein Elektrofahrzeug genutzt, dessen theoretische Reichweite im Alltagsbetrieb irgendwo zwischen der 40 und maximal 90 Prozent liegt. Bei aktuellen Reichweiten von um die 200 Kilometern liegt die Domäne der durchschnittlichen E-mobile im Kurzstreckenbereich, und da wird überwiegend an der eigenen Ladesäule geladen.

Von daher stellt sich die Frage, ob das Konzept von bunt verstreuten Ladestationen im Stadtgebiet Sinn macht. Die Praxis des Ladevorgangs sieht doch so aus, dass ein nahezu leer gefahrenes E-mobil Stunden an einer Zapfsäle verharrt, bis die Batterien wieder voll sind. Das Konzept für die Zukunft könnten eher Ladetankstellen sein, die in mit einer großen Anzahl von Schnell-Ladestationen ausgestattet sind, die ein Aufladen in 20-30 Minuten ermögliche. Der Ladevorgang könnte während eines Kaffees und einem Gang zur Toilette abgeschlossen sein und es wäre wieder"Saft" für drei bis vierhundert Kilometer im Akku, eine Dienstleistung wie sie von Tankstellen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor heute bereitgestellt wird.

Dann ist auch die Bahn frei für schnittigen Elektromobile, deren Fahrspaß zwar groß, deren Reichweite aber durch die öffentliche Ladeinfrastruktur gebremst wird, weil die Ladepunkte Strom in homöopathischen Dosen abgeben und vogelwild in Gemeinden und Städten verstreut sind.

Manfred Gorgus