Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

06.08.2017

Stadtwerk - 4 Punkte Programm macht Unternehmen fit für Energiewende

Stadtwerke tun sich schwer mit der Energiewende. Dezentral, digital, liberal soll die Energiewende sein, das Gegenteil vom Geschäftsmodell eines klassischen Energieversorgers. Stadtwerke sind gefordert Initiative zu ergreifen und ihre Zukunft in der Energiewende aktiv zu gestalten. Dafür haben sie einen mächtigen Verbündeten - die Thüga.

Hydrant und Warnschilt

Stadtwerke zwischen Zwang zum Wandel und Chanzen der Energiewende ©PantherMedia/Chris Schäfer

Thüga 150 Jahre Energiewirtschaft in der Region

150 Jahre alt ist die Thüga bereits und begeht diese Jahr Jubiläum. Sie wurde 1867 in Gotha als Thüringer Gas AG gegründet und ist heute mit rund 100 Stadtwerken das größte Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserdienstleister in Deutschland.  Städte und Gemeinden halten die Mehrheit an den Unternehmen. Die Thüga Aktiengesellschaft ist Teil der Thüga-Gruppe, die mit insgesamt 17.200 Mitarbeiter innen und Mitarbeitern 2016 einen Umsatz von 19,0 Mrd. Euro erwirtschaftet hat und 2,0 Mio. Kunden mit Gas und  rund 4,0 Mio. mit Strom versorgt hat.

Stadtwerke im Wandel - Zwang und Chance zur Neuausrichtung

Die Zukunft liegt in den Erneuerbaren Energien, auch für Stadtwerke, sagt die Thüga und fordert ihre Dienstgeber auf sich mit ihren Unternehmensprozessen aktiv in die Energiewende zu begeben. 4 Herausforderungen sieht der Stadtwerkeverbund dabei als Prioritäten:

  • Dekarbonisierung,
  • Dezentralisierung,
  • Digitalisierung
  • und Liberalisierung

Vier langfristige Transformationsprozesse verändern die Branche

Trotz der aktuell guten Ergebnisse stehen Stadtwerke in der Energiewende vor großen Herausforderungen: Dekarbonisierung, Dezentralisierung, Digitalisierung und Liberalisierung verändern die Energiebranche nachhaltig und damit auch deren traditionelle Geschäftsmodelle. Dafür trägt die Thüga mit ihrem Projekt „Let’s go green“ alle in der Gruppe gemachten Studien- und Projektergebnisse, die im Zusammenhang mit  der Energiewende stehen zusammen und verdichtet sie. Projektziel ist es, tragfähige Szenarien einer Marktentwicklung bis zum Jahr 2030 zu beschreiben, um nachhaltige Investitionsentscheidungen treffen zu können.
Nationale und internationale CO2-Ziele werden in Zukunft erhebliche Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit von Energieversorgern haben. Nach Ansicht der Thüga steht jetzt schon fest, dass die energiepolitische Ausrichtung stärker die Kosteneffizienz als zentrales Element der Energiewende verankern sollte. Dazu gehören CO2-arme und erneuerbare Energien, aber auch die bestehende Infrastruktur von Strom- und Gasb sinnvoll zu nutzen. Hauptaugenmerk legt die Thüga dabei auf eine intelligente Entwicklung besonders bei der Wärmeversorgung.

Wachstumsmarkt Elektromobilität

„Allein mit Ladesäulen gewinnt man nachhaltig keine Kunden“, fasst Dr. Matthias Cord, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Thüga, die Einschätzung der Thüga zur Elektromobilität zusammen. Thüga ist davon überzeugt, dass Stadtwerke sich vielmehr als führender Lösungsanbieter für Elektromobilität positionieren sollten. Dazu sei ein sofortiger Einstieg beziehungsweise Ausbau der Geschäftstätigkeiten erforderlich, da das Marktumfeld noch nicht ausdifferenziert sei. Die Thüga unterstützt ihr Stadtwerke durch ein breites Beratungs- und Unterstützungsangebot entlang des gesamten Kundenprozesses. Wichtig ist, dass Elektromobilitätslösungen nicht nur als kundenindividuelle, sondern insbesondere auch als kommunale Mobilitätskonzepte verstanden werden, heißt es aus von Thüga-Experten, die derzeit ein entsprechendes Mobilitätskonzept entwickeln um Erfahrungen mit Elektromobilität als einen wichtigen Baustein von Smart Cities zu gewinnen.

Smart City als Entwicklungschance für Stadtwerke

Unternehmen der Thüga-Gruppe wollen sich als Treiber und Mitgestalter von Smart Cities positionieren und entsprechende Geschäftsfelder entwickeln. Dabei sollen bestehende Ansätze und Visionen aus Mega-Cities auf die kommunalen Besonderheiten der Thüga Partner übertragen werden. In einem Projekt „Smart City“ werden dazu die Ideen und Erfahrungen aus der Gruppe gesammelt, weiterentwickelt und standardisiert, um sie dann allen Stadtwerken als Smart-City-Baukastensystem zur Verfügung zu stellen.

Derzeit stehen Anwendungen wie Umwelt- und Verkehrs-Monitoring-Systeme sowie intelligente Parkraumbewirtschaftungs- und Straßenbeleuchtungslösungen im Mittelpunkt der Aktivitäten.
Digitalisierung als Chance, Dezentralität und Modernität zu vereinen

Smart Cities sind nach Auffassung der Thüga ohne digitale Lösungen nicht realisierbar. Die Digitalisierung der Energiebranche nimmt entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Branche Fahrt auf und Marktumfeld ändert sich. Besonders an der Schnittstelle zum Kunden setzen derzeit viele neue Wettbewerber an. Thüga unterstützt ihre Stadtwerke bei der Entwicklung und Umsetzung eigener Digitalisierungsstrategien  Grundsätzlich sieht Thüga die Digitalisierung als Chance für Stadtwerke, die Kundenbindung zu erhöhen, neue Geschäftsmodelle und Produkte zu entwickeln, aber auch die Kosten zu senken.

Plattformstrategie als Antwort auf wachsende Komplexität und sinkende Margen

Wachsende Komplexität und Margendruck werden nach aus Thüga Sicht in Zukunft dazu führen, dass nicht alle Funktionen und Prozesse von jedem einzelnen Unternehmen aufgebaut oder vorgehalten werden können. Die Lösung sollen Plattformen bieten, die den Partnern Aufgaben abnehmen, so dass diese sich auf ihre operativen Aufgaben konzentrieren können. Bereits bestehende Plattformen, wie das IT-Angebot für Stadtwerke „Conergos“, das Abrechnugsportal „E-MAKS“ und das Kundenmanagementangebot „e.dat“, haben sich iin der Unternehmensgruppe angeblich gut behauptet und sind Vorbild für weitere Plattformlösungen. Durch Beteiligungen und Kauf will das Unternehmen die Kompetenz in Sachen Digitalisierung, Service und Energiewende schnell ausbauen. Damit sollten die rund 100 Stadtwerke im Thüga Verbund für den Marktwandel mit Dekarbonisierung, Dezentralisierung,  Digitalisierung und Liberalisierung im Energiemarkt gerüstet sein.

Thüga - nicht allein zu Haus

Die Erkenntnisse der Thüga sind allerdings nicht ihr alleiniges Hoheitskapital. Auch andere Energieunternehmen überdenken ihr klassisches Geschäftsmodell. Eon wirbt mit Kompetenz in der Photovoltaik-Warung und bietet PV-Anlagen in Kombi mit Stromspeichern an. EnBW entwickelt eine Software die für den dezentralen Markt Energiemanagement für Stadtwerke ermöglicht, vom virtuellen Kraftwerk, über Stromcloud bis  aus einzelnen Stromspeichern, bis zum personalisierten Stromverkauf für individuelle Erzeuger soll die Software für Anwender keine Wünsche offen lassen (hier lesen). Zielgruppe sind - wer hätte es gedacht - die Stadtwerke. Manred Gorgus