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10.02.2017

Solarworld verschlankt Produktion und Produktportfolio - Stellenabbau unvermeidlich

Um dem zunehmenden Wettbewerb aus Fernost Paroli zu bieten will Frank Asbeck bei Solarworld mehr Fokussierung in der Modultechnik und im Produktportfolio, mit weniger Mitarbeitern.

Dr. Frank Asbeck

Dr. Frank Asbeck plant radikale Verschlankung in Produktion und Produktportfolio der Solarworld AG. ©Solarworld

Aus einem Interview, dass die Solarworld eigen Pressestelle mit Herrn Asbeck führte lassen sich folgende Kernaussagen zur Unternehmensstrategie herausarbeiten:

  • Um dem wachsenden Wettbewerbsdruck in der Solarbranche zu begegnen wird sich das Unternehmen stärker fokussieren.
  • In der Vergangenheit wurde das Produktportfolio immer weiter ausgedehnt, jetzt wird es verschlankt.
  • Bei der Fertigung in Deutschland mit zwei Standorten in räumlicher Nähe ist vieles doppelt vorhanden. Das wird geändert um Kosten zu senken
  • Solarworld setzt voll auf monokristalline Siliziumtechnologie, "weil Monokristalline Solarzellen und Module der multikristallinen Technologie in Leistung und Ästhetik überlegen sind", erklärt Frank Asbeck. Solarworld sieht hier die größten Wirkungsgradpotenziale für die Zukunft, vor allem im Hinblick auf die Mono-PERC-Technologie in der Massenfertigung.
  • Heterojunction- oder Perowskit-Zellen ist aktuell keine Option fürdie Forschungsgesellschaft SolarWorld Innovations.
  • Multikristalline Produktion bei SolarWorld wird auslaufen. Bestehende Aufträge für 2017 werden noch ausgeliefert. Danach werden Zellen und Module nur noch auf Basis von monokristallinen Wafern gefertigt. Dafür wird die Produktion von Mono-Ingots in Arnstadt aufgerüstet.
  • Die Zellfertigung in Freiberg wird eingestellt um in der Fertigung Kosten zu sparen. In Arnstadt hat Solarworld vor drei Jahren Europas größte Zellfertigung von Bosch übernommen und deren Output seitdem konsequent gesteigert. Deswegen wird nur Arnstadt der zukünftige Zellstandort von Solarworld sein.
  • Solarworld wird sowohl Glas-Folien-Module als auch Glas-Glas-Module anbieten. Der Großteil der Kunden setzt traditionell auf Glas-Folien-Module.
  • Auswirkungen der Veränderungen in der Produktion und im Produktportfolio auf die Mitarbeiterzahlen. Mit der Fokussierung auf Mono-Kristallisation und der Verlagerung der Zellfertigung aus Freiberg und der Modulfertigung aus Arnstadt sind Stellenreduzierungen verbunden. Solarworld geht davon aus, in den nächsten zwei Jahren rund 400 Vollzeitstellen zu reduzieren.
  • SolarWorld hat 2016 Verlust gemacht, obwohl im ersten Halbjahr 2016 die Auftragsbücher bei Komplettauslastung voll waren. Auch im 2. Quartal wurden schwarze Zahlen geschrieben. Die Entscheidung Chinas, den dortigen Markt faktisch zu beenden und die Überproduktion des Landes an Solarmodulen komplett in den Export zu geben hat die internationale Solarbranche erschüttert. "Dies passiert erneut zu Dumpingpreisen, also unter Herstellkosten", so Frank Asbeck.
  • Für die Zukunft sieht Solarworld eine steigende weltweite Nachfrage, insbesondere in den Märkten, die nicht wie China abgeschottet sind. Dort hat die Regierung nach dem Rekordzubau im ersten Halbjahr 2016 neue, deutlich geringere Zubauziele beschlossen. Das führt trotz wachsender Nachfrage zu massenhaft Billigangeboten aus China mit denen der Weltmarkt umgehen muss. Die am stärksten wachsenden Märkte werden Asien, Europa, der arabische Raum und weiterhin die USA sein.
  • Welchen Effekt hat der Präsidentenwechsel im Weißen Hauses auf den US-Markt für Solarprodukte zu rechnen?
  • Auch der Präsidentenwechsel im Weißen Hauses wird den Siegeszug der Photovoltaik nicht aufhalten. Donald Trump kann sich nicht vor der ökonomischen Realität verschließen, dass Solar in weiten Teilen der USA heute günstiger ist als jeder andere Energieträger. Zudem ist wohl keine Energiequelle amerikanischer als die Sonne, die dort reichlich scheint. Die meisten Initiativen für den Ausbau der Solarenergie gehen aber ohnehin von den einzelnen Bundesstaaten aus. Dagegen kann die Regierung in Washington nur begrenzt etwas unternehmen.
  • Der Solarworld Standort in Hillsboro fertigt weiterhin erfolgreich Mono-PERC-Zellen und Module made in USA. Ziel ist es, den US-amerikanischen Markt komplett von diesem Standort zu beliefern. Die Maßgaben zur Produktfokussierung und Effizienzsteigerung gelten dort ebenso wie für die Standorte in Deutschland.

Quelle: Interview der Pressestelle mit Dr. Frank Asbeck