Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

23.09.2016

Netzbetreiber Tennet erhöht Preise - Schuldspruch für erneuerbare Energien

Nachdem die großen Energieunternehmen ihre Zukunft in grünen Energien sehen hätte man denken können, das Strompreiserhöhungen wegen dem Ausbau der Erneuerbaren der Vergangenheit angehören. Das ist ein Irrtum, wie der Netzbetreiber Tennet gerade zeigt. Tennet will jetzt mehr Geld, weil die Netze nicht ausgebaut werden. Die Rechnung soll der private Stromkunde zahlen.

"Folgekosten der Energiewende" titelt ntv und meldet: "Der langsame Ausbau der Stromnetze wird für den Verbraucher teuer".

30 Euro soll ein Haushalt mit drei Personen für den langsamen Netzausbau pro Jahr an Tennet zahlen, weil das Stromnetz mit den Schwankungen durch erneuerbare Energien überfordert ist. Bei Tennet fallen dadurch angeblich Kosten in Milliardenhöhe für Gegenmaßnahmen an. Tennet gibt die Schuld sind den Politikern, weil die den Netzausbau nicht ordentlich vorantreiben. Dabei ist allerdings nicht klar, ob der Netzausbau, wie er von den Netzbetreibern gefordert wird, überhaupt gebraucht wird.

Noch ist nicht geklärt, ob die deutsche Energieversorgungund damit das deutsche Stromnetz zentral oder dezentral organisiert wird. Bei einem dezentralen Ausbau stellt sich die Frage, ob der Bedarf für leistungsstarke Nord-Südverbindungen um Windstrom von der Küste in den Süden zu transportieren und Sonnenstrom in die entgegengesetzte Richtung, überhaupt besteht, oder ist es eine Idee zentralistisch denkender Altvorderer, die nicht anders können außer in zentraler Stromerzeugung denken?

Netze, Steuerung und Energieanlagen werden immer intelligenter, die Speichertechnik schreitet voran und in Deutschland wird seit 1990 bis heute bei der Stromerzeugung praktisch die gleiche Menge CO2 produziert, weil Kohlekraftwerke unvermindert weiter produzieren. Letzteres ist eigenartig, und so sinnvoll wie der Butterberg oder der Kohlepfennig.

Doppelte Ressourcen zu schaffen - Erneuerbare Energien und fossile Energien- ist Unsinn. Dass unter diesen Umständen die Netze nicht ausreichen ist klar. Die Frage ist doch, brauchen wir den ganzen Strom, oder brauchen wir nicht einfach weniger Kohlekraftwerke und mehr Großspeicher um Strom zum Beispiel nachts in den Süden zu transportieren, zu speichern und ihn tagsüber bei Bedarf ins Netz zu speisen.

Ist es nicht sinnvoll konventionelle Kraftwerke abzuschalten mit zunhemender Leistung aus erneuerbaren Quellen, dann würde auch die Netzleistung wieder passen.

Tennet droht mit Geldbuße bei fortdauerndem Fehlverhalten der Politik. 30 Euro zusätzlich auf der Rechnung für alle Haushalte als Strafe für politische Untätigkeit. Irgendwie ist das kindisch.

Ich bin kein Netzwerkexperte, aber das Szenario kommt mir künstlich und die Forderung nach einem gigantischen Netzausbau kommt mir überzogen vor. Das ganze Thema Netzausbau und Stromversorgung ist noch nicht durchdacht und der Faktor dezentrale Erzeugung sowie Speicherung von Strom ist noch nicht in den Szenarien der Netzbetreiber berücksichtigt.

Inzwischen werden Erneuerbaren Energien weiter instrumentalisiert als Vehikel für Preissteigerungen und um Druck aufzubauen für einen schnellen Netzausbau den am Ende vielleicht keiner braucht.

Manfred Gorgus