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06.11.2017

Landau Microgrid Project - Feldversuch für regionalen Stromhandel

Mit dem „Landau Microgrid Project“ hat das Karlsruher Institut für Technologie in Zusammenarbeit mit dem Technologieunternehmen „LO3 Energy“ und dem lokalen Energieversorger „EnergieSüdwest AG“ einen Feldversuch mit ausgewählten Privathaushalten gestartet. Getestet wird dezentraler Stromhandel auf regionaler Ebene als mögliches Modell für den Energiemarkt der Zukunft.

Idyllisches Bild vom Landauer Micro-Grid. Alles Off-Grid und regional. (screen-shot vom video) ©KIT

Wie viel Elektronen hättens´ gern?

Wie Obst und Gemüse aus regionalem Anbau sollen mit Strom aus der Region lokale Strukturen gestärkt und Transport gespart werden. Mastermind hinter der regionalen Stromversorgung ist eine Forschungsgruppe rund um Professor Christof Weinhardt vom „Institut für Informationswirtschaft und Marketing“ am KIT, die Energiemärkte regional organisieren wollen. „Wir glauben, dass die Akzeptanz von erneuerbaren Energien, also das Aufstellen von Windrädern, Solarkollektoren und Blockheizkraftwerken enorm zunimmt, wenn die Menschen vor Ort in den Energiehandel einbezogen werden" so der Professor.

Privatpersonen, Institutionen oder Unternehmen sollen mit der eigenen Solaranlage nicht Strom produzieren, sondern diesen auch gleich selbst vermarkten. „Aus einer dezentralen Netzstruktur und lokalem Stromhandel ergeben sich viele Vorteile“, sagt Weinhardt: „Da sind die eingesparten Kosten für den Stromtransport und eine größere Resilienz gegenüber Störungen oder terroristischen Attacken. Außerdem könnte der umstrittene Ausbau der Stromtrassen reduziert werden“, erklärt Weinhardt. 

20 Privathaushalte testen den Stromhandel

Um zu testen, ob solche regionalen Strommärkte auch in der Praxis funktionieren, werden 20 Privathaushalte in Landau einen eigenen Strommarkt bilden und ihren Strom miteinander handeln. „Zum ersten Mal werden dann Endverbraucher in Deutschland darüber bestimmen, woher ihr Strom kommt“, sagt die Wirtschaftsingenieurin Esther Marie Mengelkamp, die den Versuchsaufbau als Projektleiterin am KIT gestaltet hat. „Bisher bestimmen Netzbetreiber darüber, welcher Strom fließt. So werden für einen grünen Stromtarif oft lediglich Wasserkraftwerke in Skandinavien zertifiziert, während der Strom vor Ort tatsächlich im nächsten Atom- oder Kohlekraftwerk produziert wird.“

Die beim Handel eingesetzte Plattform basiert auf der Blockchain-Technologie, wodurch Herkunft und Besitzer der verfügbaren Energie zu jedem Zeitpunkt eindeutig identifizierbar bleiben. Der Aufwand für die Teilnehmer der Simulation bleibt dabei überschaubar. Zunächst erfolgt der Einbau eines Smart Meters, anschließend wird mittels eines mobilen Endgeräts konfiguriert, woher Strom bezogen oder zu welchem Preis eigener Strom verkauft werden soll. Bis sich die eigenen Präferenzen ändern, funktioniert der Handel dann vollautomatisch.  

In New York funktioniert der lokale Stromhandel schon

Der Feldversuch basiert auf einem ähnlichen Experiment, das der Projektpartner „LO3 Energy“ in den USA durchgeführt hat. Mit dem „Brooklyn Microgrid“ in New York wurde privater Stromhandel schon 2016 möglich. Wie in Brooklyn werden die teilnehmenden Haushalte in Landau nun von „LO3 Energy“ mit einem Smart Meter ausgestattet, auch die Handelsplattform wurde von dem US-Unternehmen entwickelt.

Landauer Projekt ist einzigartig

Weltweit einzigartig ist aber, dass der Projektpartner „EnergieSüdwest AG“ für den Feldversuch eine geschlossene Netzinfrastruktur zur Verfügung stellt. Durchgeführt wird die Marktsimulation innerhalb des Stromnetzes des regionalen Energieversorgers im Landauer Wohngebiet Lazarettgarten. „Die Energiewende ist eine Mammutaufgabe“, sagt Dr. Thomas Waßmuth von der „EnergieSüdwest AG“, der die Umsetzung des Forschungsprojekts unterstützt: „Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, sich hier vor Ort einzubringen.“   

LAMP liefert Daten für Marktmodell

Anhand der durch die Studienteilnehmer generierten Daten werden die Wissenschaftler des KIT nach Abschluss von LAMP in großer Detailschärfe wissen, wieviel Strom im Landauer Mikronetz verbraucht und gehandelt wurde und wie sich der Strompreis dabei entwickelt hat. Anschließend soll das getestete Marktmodell analysiert, angepasst und weiterentwickelt werden. „Für die Zukunft der Energiemärkte gibt es viele Ungewissheiten“, sagt Weinhardt und verweist etwa auf ein mögliches Auslaufen der garantierten Einspeisevergütung für erneuerbare Energien. „Wir müssen schon jetzt diese Marktsimulationen durchführen, um die Märkte für die Zukunft zu gestalten.“ Ein weiterer Feldversuch entsteht gerade aus einer Kooperation von „LO3 Energy“ mit dem „Allgäuer Überlandwerk“  in Kempten. Beide Projekte stehen in enger Abstimmung und werden die Erkenntnisse untereinander austauschen, um voneinander zu lernen.  Quelle: KIT