Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

13.06.2017

Energiewende-Roadmap 2030 für Deutschland

Das Große Bild der Energiewende mit Klimaschutz einerseits und genug Strom für Bevölkerung, Verkehr und Wirtschaft andererseits ist für viele Menschen noch unscharf. Ein Papier soll Klarheit schaffen - kann das ein Papier?

Stromsystem in Deutschland 2030

Stromsystem in Deutschland 2030 ©Agora

"The Big Picture" ist ein Album von Elton John, das er 1996 zu Ehren seines Freundes, dem Modedsigner Gianni Versace gewidmet hat. Gianni Versace war der erste Fashiondesigner Musik und Mode verband.  Er wurde kurz vor der Veröffentlichung des Albums ermordet.

Was hat das musikalische Big Picture mit dem Energiewende Big Picture zu tun? Nun, wir wollen hoffen, dass der Energiewende nicht das gleiche Schicksal zu Teil wird wie dem bekannten Modedesigner - Tod durch mehrere Schüsse, abgefeuert von einem Serienkiller - aber eigentlich ist es dazu schon zu spät. Zu weit verbreitet sind die Erneuerbaren und viel zu wirtschaftlich. Was der echten Energiewende noch fehlt ist der Beweis, dass es auch ohne Kohle und Atomkraft geht.

Dazu ist Agora mit seinem "Big Picture" angetreten und zeigt Trends, Ziele und Maßnahmen für die zweite Phase der Transformation des deutschen Energiesystems. Neben der Stromversorgung stehen Verkehr und Wärmeversorgung vor großen Veränderungen. Unter dem Titel „Energiewende 2030 – The Big Picture“ beschreibt der Think Tank AGORA, wie Deutschland sein Klimaschutzziel für 2030 erreicht, die Versorgungssicherheit gewahrt wird und Energie sowohl für Verbraucher als auch die Industrie bezahlbar bleibt.

Das rund 80 Seiten starke Papier nennt sieben zentrale Energie-Megatrends, definiert ein Zielsystem für 2030, diskutiert die zentralen Strategien und Kosten-Nutzen-Abwägungen auf dem Weg dahin und schlägt zehn konkrete Punkte für die weitere Gestaltung der Energiewende vor. So sollte ein Energiewenderahmengesetz entwickelt werden mit dem die Energiewende auf ein rechtlich solides Fundament gestellt wird.

Und das ist notwendig um die Energiewende im Jahr 2030 zu realisieren:

  • den Anteil Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch auf 30 Prozent zu verdoppeln
  • den Anteil Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch auf 60 Prozent zu verdoppeln
  • die Nutzung von Kohle und Erdöl zu halbieren,
  • den Verbrauch von Erdgas um 20 Prozent zu reduzieren
  • den Energieverbrauch insgesamt um 30 Prozent im Vergleich zu heute zu reduzieren

Dr. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, erklärt: „Die gute Nachricht ist, all notwendigen Technologien für die Energiewende bis 2030 sind alle vorhanden und sie sind kostengünstig. Die Herausforderung aber ist, jetzt geht es nicht mehr um die Integration von ein paar Wind- und Solaranlagen, sondern es steht die umfassende Transformation der Energiesektoren Strom, Wärme, Verkehr an.“

Vor allem die Wärme- und Verkehrswende muss laut Agora angegangen werden. Was bei der Dekarbonisierung beim Strom auf einen guten Weg gebracht ist funktioniert bei Wärme und Verkehr nur vereinzelt. Die Biomasse-Strategie mit der die Bundesregierung ursprünglich Wärme und Verkehr klimafreundlicher machen wollte, hat nicht funktioniert. Deshalb werden bei Wärme und Verkehr Energieeffizienz und die Nutzung von Wind- und Solarstrom über Elektromobilität und Wärmepumpen in Zukunft im Fokus stehe, sagen die Agora Experten.

In der zweiten Phase der Energiewende soll Energieeffizienz an erster Stelle stehen. Bei jeder Planung und Investition bei Strom, Wärme und Verkehr soll überprüft werden ob Energieeffizienz die kostengünstigste Lösung ist, denn wenn Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit gelingen sollen, muss Energieeffizienz eine ganz andere Bedeutung bekommen als bisher. Soviel Erneuerbare Energien und Netze, wie ohne Effizienz gebraucht werden, können nicht gebaut werden, so das Ergebnis im Agora "Big Picture".

Für 2030 wird im "Big Picture" ein Nebeneinander von Erneuerbaren Energien und fossilen Kraftwerken gezeichnet Die fossilen liefern Versorgungssicherheit, laufen aber selten, bis sie schließlich ganz von der Energiebildfläche - dem Big Pictuer -  verschwinden werden. Das wird aber dann doch noch einige Jahre in Anspruch nehmen sagen die Agora-Leute.

Das Impulspapier „Energiewende 2030 – The Big Picture“ wird am 15. Juni 2017 in Berlin vorgestellt. Die Veranstaltung wird live im Internet übertragen: www.agora-energiewende.de/de/livestream.

Die Studie steht unten dem Link kostenlosen Download zur Verfügung. Manfred Gorgus