Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

18.06.2017

Braucht´s Des? ...

... freilich braucht´s Des. Immer wieder die gleiche Frage, immer die gleiche Antwort. Die Energiewende ist gesetzt, die Fragen bei "Maria- und Otto-Normal sind immer die gleichen: - "Geht Des?" - "Taucht Des?", "Braucht´s Des?" - "Des Öl geht doch so schnell net aus!" - "Was macht´s wenn die Sonn´ net scheint?". Fragen die in meinem Dorf, wo man jeden trifft und kennt, immer wieder gestellt werden. Wer in den Erneuerbaren arbeitet schmort ja sozusagen im eigenen Saft, jedem ist klar, dass Strom in Kürze ausschließlich erneuerbar sein wird. Im Dorf merkt merke ich aber, dass es Klärungsbedarf gibt, das Vertrauen aufgebaut werden muss. Erneuerbare Energien sind wetterabhängig und das Wetter ist unberechenbar. Dabei ist die Technik vorhanden und wir, die wir in den Erneuerbaren arbeiten, wissen das, aber weiß es der Markt? Offensichtlich nicht, sonst würden die Fragen nicht von so vielen Menschen gestellt. Hat die Branche ein Kommunikationsproblem?

Photovoltaik FReiflächenanlage

Braucht´s Des? - Freilich braucht´s Des! ©SOLAR-professionell

Die Antworten der Menschen bei mir im Ort sind manchmal so verblüffend, dass ich sprachlos bin. Dinge die für mich selbstverständlich sind werden plötzlich in Frage gestellt. Wie "tickt" die Masse der Gesellschaft, ist sich die Mehrheit in Deutschland über die Vorteile der Erneuerbaren im Klaren? Statistisch gesehen ist das der Fall, aber manchmal zweifle ich daran wenn ich Gespräche im Ort führe. Hier zwei Beispiele ehrbarer, erfolgreiche Mitmenschen, an deren Aussagen ich feststelle - der Weg zum Verständnis der Erneuerbaren ist noch ein langer.

Der Unternehmer

Ein erfolgreicher Unternehmer, der sein Geld im Baugewerbe verdient hat erklärt mir eines Abends beim Feierabendbier: "Ob das mit dem Klimawandel so stimmt - ich habe noch nichts gemerkt". Nachdem ich meine Meinung zu Peak-Öl, den Preissturz bei Photovoltaik-Komponenten und meine Vorstellung einer rein auf Erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung dargelegt habe erklärt mir der erfolgreiche Unternehmer, der mit viel Geschick Unternehmen auf- und umgebaut hat:  "Das Öl reicht noch lang - noch mindestens 100 Jahre". Das hätte er kürzlich im Fernsehen gesehen. Während sich vor meinem geistigen Auge eine Landschaft aus Feuer speienden Raffinerieanlagen formt denke ich an die Nachbarin die eine PV wollte und eine Ölheizung bekam.

Die Nachbarin im KFW40 Fertighaus die an eine PV dachte und eine Ölheizung bekam

Eine nette ältere Dame aus der Nachbarschaft sprach mich eines Tages, ob ich ihr das mit der Photovoltaik erklären könne. Sie hätte gehört, dass ich mich da auskenne und sie überlege sich mit ihrem Ehemann, ob sie sich eine PV-Anlage anschaffen sollten - fürs heiße Wasser. Selbstverständlich erklärte ich Technik, finanziellen Einsatz, Vergütung und Wirtschaftlichkeit und auch, dass mit PV nur über den Einsatz eines Heizschwertes warmes Wasser erzeugt werden kann. Nachdem ich die Dame einige Monate nicht gesehen hatte, es war Winter und da trifft man sich seltener, sprach ich sie beim ersten Wiedersehen an, was aus ihren Plänen geworden ist. "Ach" begann sie, " wir haben uns eine neue Ölheizung einbauen lassen. Dafür mussten sie einen Kredit aufnehmen, denn der neue Kessel und Brenner hätten knapp 9000 Euro gekostet". Ich war offensichtlich so überrascht, dass sie gleich erklärte, "dass musste dann alles sehr schnell gehen, weil es im Keller nach Öl gerochen hatte und ein Tankstutzen undicht war und der Heizungsbauer habe gesagt, dass das mit den neuen Energien noch nicht so weit sei. Außerdem rentiert sich Photovoltaik für uns nicht mehr, wir sind bin schon über 60 Jahre alt".

Schmerzhaft

Wie viel PV bekommt man heute für 9000 Euro, wie alt werden Deutsche heute im Schnitt? Da passt doch nichts zusammen dachte ich bei mir, da hat doch jemand richtig viel Blödsinn erzählt, das schnelle Geschäft gewittert und ein Brenner - Kesselpaket und unanständig viel Geld verkauft.

Ich bin Texter, Blogger, Moderator und Designer mit Schwerpunkt im Grünen Energie Bereich. Mein Job ist Kommunikation und Marketing von Technik die nicht so bekannt und selbstverständlich ist wie eine Wasserspülung. In den erneuerbaren Energien bin ich seit 2008 und ich bin der Meinung, dass es an der Zeit ist die Kommunikation von Inhalt auf Emotion umzustellen - und zwar massiv.

Wer heute noch fossil kauft, macht einen Fehler. Wer 9000 Euro für die Renovierung einer Ölheizung im kleinen Einfamilienhaus zahlt hat was falsch gemacht, ich habe aber auch was falsch gemacht - die Kommunikation hat versagt. Zu technisch, zu komplex zu wenig Emotion. Natürlich bin ich kein Verkäufer, aber ich habe nicht ausreichend Begeisterung generiert.

Kürzer, emotionaler und selbstbewusster muss die Kommunikation laufen. Kommt die Frage, "Speicher- Braucht´s Des?" , lautet die Antwort "Freilich braucht´s Des" - "Warum" - "Weil´s Dir gut tut!". Ein Investor des Schweizer Speicherherstellers Powerball-Systems hatte vor kurzem gesagt, dass Autarkie den Wohlfühl-Faktor steigere und man deshalb weniger Schokolade essen müsse. Autarkie als Wellnessprogramm, für Zähne, Figur und Gesundheit.

Die Technik von Photovoltaik und Speicher ist reif für den Markt, der Markt aber noch nicht reif für die Technik. Dabei liefert die Unabhängigkeit durch die neue Technik gute Gefühl und gute Gefühle liefern gute Argumente für starke Slogans. Vorsprung durch Technik?

Manfred Gorgus