Digitales Fachmagazin für Photovoltaik und erneuerbare Energien

09.05.2017

35 Jahre alte Photovoltaik läuft fast wie am ersten Tag

Europas erste Photovoltaikanlage feiert diesen Monat 35 Jahre Netzbetrieb und produziert noch immer Strom, fast wie am ersten Tag.

Älteste Photovoltaikanlage der Schweiz seit 35 Jahren am Netz

Roman Rudel, Direktor des "Institute for Applied Sustainability to the Built Environment an der Fachhochschule Südschweiz stellt die älteste Photovoltaikanlageder Schweiz vor. Sie liefert seit 35 Jahren Strom, ohne Murren und bei minimaler Wartung ©Supsi

Photovoltaikanlagen sind stille Diener, die ohne bewegliche Teile Energie produzieren. Im Labor wurden bei Versuchen immer wieder theoretische Laufzeiten von über 30 Jahren prognostiert. Nun überschreiten die ersten Anlagen im Tagesgeschäft tatsächlich die 30 Jahresgrenze, wie die europaweit erste mit dem Stromnetz verbundene Anlage in Canobbio, die immer noch tadellos läuft.

Roman Rudel, Direktor des Institute for Applied Sustainability to the Built Environment an der Fachhochschule Südschweiz, erklärt: "Diese Erfahrung hat wesentliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Photovoltaikanlagen, die Investitionen können über mindestens 30 Jahre abgeschrieben werden, bei geringen Unterhaltskosten".

Im Mai 1982, also vor genau 35 Jahren, wurde auf dem Dach der heutigen Fachhochschule der Südschweiz eine für heutige Verhältnisse kleine 10 Kilowatt Photovoltaikanlage gebaut. Es war nach Angaben von Swissolar die erste Anlage, de in Europa ans öffentliche Stromnetz angeschlossen wurde und seit Netzanschluss ununterbrochen in Betrieb ist.

Ein weiteres Beispiel für langen Lebenszyklus ist die vor 30 Jahren auf dem Betriebsgebäude der Horlacher AG in Möhlin installierte erste private Solarstromanlage der Schweiz. Auch sie läuft problemlos, sogar ohne jegliche Unterhaltsarbeiten. Es ist außerdem eine der ersten Eigenverbraucanlagen, da der Strom hauptsächlich in der Fabrik genutzt wird. Nur kleine Überschüsse werden ins Stromnetz eingespeist.

Betriebszeiten von über 25 Jahren sind bei PV-Anlagen keine Ausnahme sagt Swissolar. Eine der ersten Großanlagen mit 100 kW Leistung wurde 1989 als Lärmschutzwand entlang der A13 bei Felsberg realisiert und auch sie ist immer noch in Betrieb.

Besonders erwähnenswert ist auch die Anlage an einer Fassade auf dem Jungfraujoch, die seit 1993 trotz harter Witterung mit konstant hohen Erträgen problemlos arbeitet. Langzeitmessungen der Berner Fachhochschule zeigen einen minimalen Leistungsverlust von 0.05 % pro Jahr. Das sind gerade mal 1,2 % in 24 Jahren.

Die Schweizer Experten von Swissolar schließen daraus, dass Investitionen in Photovoltaikanlagen über 30 Jahre oder sogar länger abgeschrieben werden können. Dabei wird basierend auf den Langzeiterfahrungen eine Ertragsminderung von 0.5 % pro Jahr berücksichtigt, also 12 % in 24 Jahren.

Auch bezüglich der Unterhaltskosten besteht inzwischen umfangreiche Praxiserfahrung. Sie liegen je nach Größe und Typ der Anlage im Bereich von 2-4 Rappen (2-4 Cent) pro produzierter Kilowattstunde.

Manfred Gorgus